Stuttgarter Ballett Blog


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EMAIL AUS … TOKYO (ELISA BADENES)

Elisa Badenes und Leonid Sarafanov in Tokyo, Foto: privat

Elisa Badenes und Leonid Sarafanov in Tokyo, Foto: privat

Liebe Freunde in Stuttgart!

Nach den ersten vier Tagen der neuen Spielzeit beim Stuttgarter Ballett wurde ich auf einen „Überraschungs-Trip“ nach Tokyo geschickt! Morgen und am Samstagabend werde ich hier die Kitri in Rudolf Nureyevs Don Quixote mit dem Ballett der Mailänder Scala tanzen, zusammen mit Leonid Sarafanov (vom Mikhailovsky Theater, St. Petersburg) als mein Partner.

Ich freue mich sehr, zurück in Tokyo zu sein, mit den vielen tollen Erinnerungen an unser Gastspiel im November und ich habe eine sehr schöne Zeit mit den Kollegen von der Scala und mit meinem Partner.

Also drückt alle die Daumen für unsere Premiere morgen Abend :)

Wir sehen uns bald zuhause in Stuttgart

Viele Küsse!

Elisa


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EMAIL AUS … MARIBOR (KRZYSZTOF NOWOGRODZKI)

Hallo Stuttgart!

Schöne Grüße aus Maribor, wo das Stuttgarter Ballett heute Abend Ssss…. von Edward Clug tanzen wird.

Wir treten bei einem Ballettabend zusammen mit dem Ballett Zürich und dem NDT 2 auf, die auch Stücke von Edward Clug mit dabei haben – zur Feier von Edwards 25-jährigem Jubiläum mit dem Maribor Ballett.

Wie ihr auf dem Foto seht, ist nur eine kleine Gruppe von Tänzern und Mitarbeitern auf dieses Gastspiel gefahren – der Rest bereitet sich zuhause auf die erste Vorstellung von Der Widerspenstigen Zähmung vor, auf die wir uns auch schon sehr freuen! Ein schönes Wochenende noch!

Krzysztof Nowogrodzki

 

Agnes Su, Pablo von Sternenfels, Foto: Krzysztof Nowogrodzki

Agnes Su, Pablo von Sternenfels, Foto: Krzysztof Nowogrodzki

Im Slowenischen Nationaltheater Maribor: Tamas Detrich, Hyo-Jung Kang, Agnes Su, Ekkehard Kleine, Angelina Zuccarini, Alina Godunov, Fabio Adorisio und Reid Anderson, Foto: Krzysztof Nowogrodzki

Im Slowenischen Nationaltheater Maribor: Tamas Detrich, Hyo-Jung Kang, Agnes Su, Ekkehard Kleine, Angelina Zuccarini, Alina Godunov, Fabio Adorisio und Reid Anderson, Foto: Krzysztof Nowogrodzki

Reid Anderson und Tamas Detrich mit Edward Clug, Foto: Krzysztof Nowogrodzki

Reid Anderson und Tamas Detrich mit Edward Clug, Foto: Krzysztof Nowogrodzki


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Kabatek bloggt: „Ich bin ein Stuttgarter!“

Schlussapplaus im Operhaus: Reid Anderson und Tamas Detrich auf der Bühne mit dem ganzen Ensemble, Foto: Elisabeth Kabatek

Schlussapplaus im Operhaus: Reid Anderson und Tamas Detrich auf der Bühne mit dem ganzen Ensemble, Foto: Elisabeth Kabatek

„20 Jahre“, wundert sich Reid Anderson im Gespräch mit Sonia Santiago auf der Bühne von Ballett im Park. „Die Tage gehen so wahnsinnig schnell vorbei!“ Da weiß er noch nicht, was der Abend an Überraschungen für ihn bereithält. Zum Beispiel, dass er zwei Stunden später Stuttgarter Bürger sein wird…

Der letzte Abend, die große Gala, Ballett im Park. Auch die Festwoche ist wahnsinnig schnell vorbeigegangen. Angelika Schröder ist mir fast täglich über den Weg gelaufen und hat immer wieder davon geschwärmt, wie toll jeder einzelne Abend war. Sie kommt aus Berlin und hat Balletturlaub in Stuttgart gemacht, mit drei Rauhaardackeln im Gepäck. Nein, die waren natürlich nicht mit im Opernhaus, haben aber dafür gesorgt, dass sie von den kommunikativen Stuttgartern ständig angesprochen wurde. „Ich bin ganz wehmütig, dass es heute Abend vorbei ist“, sagt sie. „Stuttgart ist halt viel schöner als Berlin“, meine ich. Sie lacht. „Was das Ballett angeht, auf jeden Fall!“ Der Park füllt sich langsam, die Stimmung ist wunderbar, die Sonne scheint. Heute kein Regen! Am Merchandising-Stand sind die T-Shirts der Renner.

Die Ballett-T-Shirts laufen gut am Merchandise-Stand! Foto: Elisabeth Kabatek

Die Ballett-T-Shirts laufen gut am Merchandise-Stand! Foto: Elisabeth Kabatek

Im Opernhaus treffen allmählich die Ehrengäste ein. Ich bitte Birgit Keil und Egon Madsen, zwei der vier großen Stars aus Crankos Zeiten, um ein Foto. „Georgette muss dazu!“, ruft Birgit Keil. Natürlich muss Georgette Tsinguirides mit aufs Bild. Was ist ihr Resumée der Woche? „Da fragen Sie mich was! Wir sind alle am Ende. Aber toll!“ Ausnahmsweise suche nicht ich meinen Platz, sondern ein Gast streckt mir hilfesuchend seine Karte unter die Nase. „Kennen Sie sich hier aus?“ Na ja, ein bisschen. Der Gast ist Johannes Öhmann, Direktor des Royal Swedish Ballett in Stockholm, eine der ältesten Ballettcompagnien Europas. Eigentlich ist er im Urlaub. Er zeigt mir Fotos von seinem idyllischen Sommerhaus in den Stockholmer Schären, von wo aus er heute Morgen aufgebrochen ist. Die Gala wollte er auf keinen Fall verpassen, Urlaub hin oder her. „We are all friends“, meint er, als ich ihn nach seinen Verbindungen nach Stuttgart frage, und dann lobt er den extrem hohen Standard der John Cranko Schule und des Stuttgarter Balletts.

Georgette Tsinguirides, Egon Madsen und Birgit Keil vor der Vorstellung, Foto: Elisabeth Kabatek

Georgette Tsinguirides, Egon Madsen und Birgit Keil vor der Vorstellung, Foto: Elisabeth Kabatek

Die Gala beginnt, Tamas Detrich begrüßt Publikum und Ehrengäste. Sichtlich bewegt dankt er seinem Chef: „Es ist nicht, WAS du in diesen 20 Jahren gemacht hast, es ist WIE du es gemacht hast!“ Er verbeugt sich und zieht einen silbernen Zylinder. „Chapeau!“ Da wissen wir noch nicht, welche Rolle dieser Zylinder am Ende der Gala spielen wird…

„Abbitte“ leistet Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei Reid Anderson dafür, dass es mit dem Neubau der John Cranko Schule so lange gedauert hat. „Das Stuttgarter Ballett ist DAS kulturelle Aushängeschild Baden-Württembergs, ein Juwel in unserem Land!“ Als Nächstes werden Reid Anderson und Tamas Detrich vor den Augen des Publikums mal eben von Oberbürgermeister Fritz Kuhn eingebürgert. Kein Witz. Beide haben einen Antrag auf deutsche Staatsbürgerschaft gestellt (ohne die eigene abzugeben, natürlich), und Fritz Kuhn hat nicht nur eine Rede, sondern auch die Urkunden im Gepäck! Mit diesem Coup gelingt es dem Oberbürgermeister, dass es beiden für einen Augenblick die Sprache verschlägt. Sehr clever, das, „denn jetzt bleiben Sie uns erhalten!“ Reid Anderson kontert mit einem sehr überzeugenden, „Ich bin ein Stuttgarter!“ Sehr launig knüpft daran Bundestagspräsident Norbert Lammert an, ausgewiesener Tanzkenner und bekennender Fan des Stuttgarter Balletts. Nach 34 Jahren Stuttgarterfahrung, meint er, erst als Tänzer, dann als Intendant, gibt es „außer der Queen keine zweite Persönlichkeit, die es so lange an der Spitze eines Staatstheaters ausgehalten hat!“

Zwei glückliche neue Stuttgarter: Reid Anderson und Tamas Detrich mit Oberbürgermeister Fritz Kuhn, Foto: Stuttgarter Ballett

Zwei glückliche neue Stuttgarter: Reid Anderson und Tamas Detrich mit Oberbürgermeister Fritz Kuhn, Foto: Stuttgarter Ballett

Genug der Reden. Der Rest des Abends, der Großteil des Abends, gehört dem Ballett. Großartig, dass ich heute noch einmal alle TänzerInnen sehen darf, die die letzten Abende auf der Bühne gestanden sind, nur leider ohne Sue Jin Kang. Und wie sie tanzen und noch einmal das Beste geben, was sie haben, um ihrem Chef zu danken! Klassik und Moderne bunt gemischt, so wie es Reid Anderson immer gehalten hat. Das Erbe pflegen, neue Choreographien fördern. Und so gibt es an diesem Abend sogar vier großartige Uraufführungen, darunter In Short von Itzik Galili (getanzt von Anna Osadcenko und Jason Reilly) und Arcadia von Douglas Lee, getanzt von Alicia Amatriain und Constantine Allen. Der tanzt außerdem sein Rollendebüt im Pas de deux aus John Crankos Schwanensee, und wer die „Widerspenstige“ am Donnerstag verpasst hat, weiß spätestens jetzt, dass Elisa Badenes und Constantine Allen das neue Stuttgarter Tanz-Traumpaar sind.

Sommer, Sonne, Sonnenschein am Sonntag auf der Wiese bei Ballett im Park, Foto: Elisabeth Kabatek

Sommer, Sonne, Sonnenschein am Sonntag auf der Wiese bei Ballett im Park, Foto: Elisabeth Kabatek

In der 2. Pause bin ich bei Sonia Santiago auf der Bühne im Park zu Gast. Hinrennen, kurzes Interview zum Blog, zurückrennen. Ich darf doch auf keinen Fall den 3. Teil verpassen! Semyon Chudin, zum Beispiel, Star des Bolschoi Balletts, der mit Anna Osadcenko ein großartiges Dornröschen tanzt. Das große Finale vor dem Überraschungsschluss liefern Elisa Badenes und Friedemann Vogel in Tschaikowskys Pas de deux, in der Choreographie von George Balanchine. Die beiden drehen Pirouetten, dass ich schon beim Zugucken den Drehwurm kriege, und heben die Gesetze der Schwerkraft komplett auf. Atemberaubend! Das Publikum trampelt und tobt. Dann geht das Licht an. Was kann denn jetzt noch kommen, nach so einem Abend! Im Programm steht nur Finale. Knisternde Spannung.

Gala-Finale: Die Superhelden des Stuttgarter Balletts und das gesamte Ensemble, Foto: Stuttgarter Ballett

Gala-Finale: Die Superhelden des Stuttgarter Balletts und das gesamte Ensemble, Foto: Stuttgarter Ballett
Finale der Ballettgala: Erste Solisten des Stuttgarter Balletts als Superhelden, Ensemble des Stuttgarter Balletts
(c)Stuttgarter Ballett

He’s the one. Wann hat man schon einmal eine komplette Ballettcompagnie singen hören? Denn das ist die Überraschung. Im fulminanten Finale singt und tanzt das Stuttgarter Ballett das Finale des Musicals „A Chorus Line“, umgedichtet auf Reid Anderson. Dazu dreht sich eine Discokugel und auf die Wände des Opernhauses wird der Schriftzug „Reid – 20 years“ projiziert.

Lichtershow im Opernhaus: Danke, Reid! Foto: Elisabeth Kabatek

´Lichtershow im Opernhaus: Danke, Reid! Foto: Elisabeth Kabatek

Ja, sie singen, in glitzernden Kostümen mit silbernen Zylindern, so wie der, den Tamas Detrich am Anfang getragen hat, und sie machen das richtig gut! Und nun erscheinen auch noch die SolistInnen in ihren Superhelden-Kostümen, Wonderfeet, Elastorina, Captain Fantastic und alle anderen. Damit nicht genug, wird hinten ein Transparent entrollt: Lieber Reid, danke für 20 tolle Jahre, dein Stuttgarter Ballett. Der, um den sich alles dreht, kommt endlich auf die Bühne und kann endlich beklatscht werden. Aber nicht für lange, denn schließlich wartet das Publikum im Park!

Gute Stimmung auf dem Balkon: Schlussapplaus für die Ballett im Park-Besucher, Foto: Elisabeth Kabatek

Gute Stimmung auf dem Balkon: Schlussapplaus für die Ballett im Park-Besucher, Foto: Elisabeth Kabatek

Schnell rennen alle hinauf in den 3. Rang. Ich laufe mit und frage auf dem Weg Alexander McGowan, wie oft sie den Schluss geprobt haben. „Fünf, sechsmal vielleicht. Wir sind halt Tänzer, keine Sänger. Es war für ihn!“ ER weiß jetzt auch, warum man ihn in den letzten Tagen so oft in die Kantine zum Essen geschickt hat. Reid Anderson hält noch eine kurze Rede auf dem Balkon, nachdem sich die Compagnie den Jubel der BesucherInnen im Park abgeholt hat. „Das war wahrscheinlich die beste Gala, die ich in meinem ganzen Leben gesehen habe“, sagt er. „Alles, an was ich glaube, habe ich heute Abend auf der Bühne gesehen. Ihr habt einen sehr glücklichen Menschen aus mir gemacht.“

Der letzte Vorhang ist gefallen. Kein Stück Pizza mehr am Schlossplatz auf dem Heimweg, keine Nachtschichten mehr, um den Blog zu schreiben, die längste bis zwanzig nach drei. Die Festwoche ist vorbei. Wie konnte es so bloß so weit kommen? Was mache ich morgen Abend? Ich sehe schon das tiefe Loch gähnen, in das ich fallen werde. Das Leben wird wieder normal. Ich werde mich wieder mit Leuten unterhalten können, die nichts mit Ballett am Hut haben; in den letzten Tagen war die Kommunikation etwas schwierig.

Danke für alle Begegnungen, für alle Gespräche! Wenn es ein Leitmotiv gab für mich in diesen Tagen, dann das altmodisch klingende Wort Hingabe. In doppeltem Sinne: zum einen die des Stuttgarter Balletts an seine Arbeit. Damit meine ich gewiss nicht nur die, die vorne im Rampenlicht stehen, sondern alle, die hier am Gesamtkunstwerk stricken, auch die hinter den Kulissen, die normalerweise für das Publikum nicht sichtbar sind. Diese Hingabe gilt aber auch für das Stuttgarter Publikum. Egal, mit wem ich in den letzten zehn Tagen gesprochen habe – TänzerInnen, ChoreographInnen, DirektorInnen, KritikerInnen, sie alle sind einhellig derselben Meinung: Das Stuttgarter Publikum ist das beste der Welt!

Jetzt ist Sommerpause. Alle haben sie dringend nötig. Aber es geht ja weiter im Herbst! Noch zwei Jahre mit Reid Anderson, und dann übernimmt Tamas Detrich. Es geht weiter, in Stuttgart, und nicht nur hier, sondern an vielen anderen Orten in der Welt, die mit dem Stuttgarter Ballett vernetzt sind. Freuen wir uns drauf. Danke, Reid!


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Kabatek bloggt: „Wer ganz nach oben will, muss Demut lernen“

Ballett im Park bei jedem Wetter - auch bei Regen und Sonne gleichzeitig!, Foto: Elisabeth Kabatek

Ballett im Park bei jedem Wetter – auch bei Regen und Sonne gleichzeitig!, Foto: Elisabeth Kabatek

Nach dem emotionalen Rollercoaster des Abschieds von Sue Jin Kang ist heute ein fröhlicher Abend angesagt. Der Nachwuchs darf bei der Gala der John Cranko Schule zeigen, was er kann, und es ist der erste der beiden Abende von Ballett im Park. Um sieben geht’s los. Kurz nach sechs ballen sich am Himmel graue Wolken und ein heftiger Schauer geht nieder, bei gleichzeitigem Sonnenschein. Die Wiese am Eckensee ist schon gut besetzt. Niemand lässt sich vom Regen in irgendeiner Weise beeindrucken. Das kann doch einen Stuttgarter Ballettfan nicht erschüttern! Überall sind schon Picknickdecken ausgebreitet, Babys krabbeln herum, Statisten in barocken Kostümen verteilen Programme. Die erfahrenen BesucherInnen wissen, dass Glasflaschen aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt sind, und haben sich ihre Getränke in Plastikflaschen umgefüllt, auch die alkoholischen. Zum Beispiel die drei Damen, die bei meiner Suche nach dem leckersten Picknick die absoluten Gewinnerinnen sind. Sie haben einen Drink gemixt, der sich „Kalte Ente“ nennt und aus Prosecco, Wasser und in Weißwein marinierter Zitronenschale besteht. Außerdem haben sie eine Käseauswahl dabei, die einer französischen Käsetheke würdig wäre. „Die leckersten Sachen haben wir leider schon gefuttert“, meinen sie bedauernd. Zum Beispiel die mit Schafskäse gefüllten Auberginen.

Diese Damen erhalten den Preis für das leckerste Picknick!, Foto: Elisabeth Kabatek

Diese Damen erhalten den Preis für das leckerste Picknick!, Foto: Elisabeth Kabatek

Macht nichts, das mit Walnuss und Gorgonzola gefüllte Teilchen, das ich probieren darf, schmeckt köstlich. Zum zweiten Mal haben sich die Freundinnen zu Ballett im Park verabredet. „Letztes Jahr war es soo toll. Aber wir haben gelernt, dass man früher kommen muss, um einen besseren Platz zu ergattern.“ Da könnte ich mich jetzt niederlassen und mitfuttern, so wie Sonia Santiago, die die Moderation auf der Bühne macht, es vorgeschlagen hat. „Schmuggeln Sie sich doch einfach bei jemandem auf die Picknickdecke.“ Sie erinnert außerdem daran, dass Ballett im Park Jubiläum hat: 20 Jahre Intendanz Reid Anderson, 10 Jahre Ballett im Park. Mit Schwanensee hat es 2007 angefangen. Mittlerweile ist Ballett im Park aus dem Stuttgarter Sommer nicht mehr wegzudenken. Unterm Baum sitzt eine Stuttgarterin mit Besuch aus München. An ihrer entspannten Haltung mit Prosecco in der Hand erkennt man den Ballett-im-Park-Vollprofi, der Gast aus München ist zum ersten Mal da und einfach nur neugierig. „Ich war bestimmt schon sechsmal hier“, erzählt sie. „Ich habe einen Enkel, der früher sechs Jahre bei der John Cranko Schule getanzt hat. Da verfolgt man es automatisch weiter.“ Falafelburger und Rote Würste wandern an mir vorbei, und ich wandere ins Opernhaus, um Tadeusz Matazc, den Direktor der John Cranko Schule, vor der Vorstellung zu treffen.

Unsere Blog-Autorin Elisabeth Kabatek mit John Cranko Schul-Direktor Tadeusz Matacz

Unsere Blog-Autorin Elisabeth Kabatek mit John Cranko Schul-Direktor Tadeusz Matacz

Was ist das Geheimnis des Erfolgs der John Cranko Schule, Herr Matacz? !Die Zugehörigkeit zum Stuttgarter Ballett, die engen Verbindungen. An anderen Orten sind die Ballettschulen den Hochschulen angegliedert.! Und wie läuft das mit der Talentsuche – Pablo von Sternenfels beispielsweise ist über den renommierten Wettbewerb Youth American Grand Prix (YAGP) an die John Cranko Schule gekommen und hat beim Stuttgarter Ballett eine fantastische Karriere hingelegt. Ist das der normale Weg? „Michael Jackson und der Hip Hop haben dem Tanz einen wahnsinnigen Schub verpasst. Plötzlich wollte jeder tanzen. Aber nach einer Weile hat man gesehen, dass man einen breit trainierten Nachwuchs braucht. Ohne die Wettbewerbe könnte man das gar nicht filtern. Allein in Japan gibt es 15.000 Privatschulen!“ Den interessantesten Nachwuchs sieht er im Moment übrigens in Lateinamerika, vor allem in Mexiko. „Da gehen viele Talente aus sozialen Projekten hervor.“ Wie zur Bestätigung treffe ich in der Pause zufällig Sara Collier, die im Norden Mexikos eine Ballettschule hat; einer ihrer Schüler hat es ans Hamburger Ballett geschafft. Sieht Matacz sofort, welches Potenzial in einem Tänzer steckt, ob er es ganz an die Spitze schaffen kann? Er nickt. „Ja, das sehe ich sofort, ich mache den Job schon so lange. Aber es ist ja nicht nur das Talent. Die TänzerInnen müssen erst einmal Demut lernen. Sie müssen lernen, einer von vielen zu sein. Nur wer Demut lernt, schafft es ganz nach oben.“ Demut. Wieder so ein altmodisches Wort, wie das Wort Hingabe, mit dem Harold Woetzel, der Regisseur des SWR-Films, die TänzerInnen des Stuttgarter Balletts charakterisiert hat. Demut, Hingabe, Disziplin. Tugenden, die anderswo längst aus der Mode gekommen sind, scheinen im Ballett von fundamentaler Bedeutung zu sein. Träumt denn jede/r davon, einmal ganz vorn zu stehen? Ja, sagt er, niemand gibt sich freiwillig mit der zweiten Reihe zufrieden, und das ist ja eigentlich ganz normal. Wenn es dann nicht so klappt, ist die Realität oft hart.

Natürlich müssen wir auch noch kurz über den Neubau der John Cranko Schule sprechen. „Chapeau, Reid“, sagt Matacz. Jahrelang hat dieser für den Neubau gekämpft und die schlechten Bedingungen in der alten Schule angeprangert, die einer Talentschmiede mit Weltruf einfach nicht angemessen sind. Im Moment tut sich ihr Direktor ein wenig schwer damit, sich das fertige, große Ganze vorzustellen. Er fühlt sich mehr als eine Mischung aus Architekt, Bauingenieur und Handwerker, weil er über Steckdosen, ISDN-Anschlüsse und Raumtemperaturen entscheiden muss. „Es gibt kein Handbuch für Ballettschulen“, meint er. „Das ist die einzige Ballettschule, die in Deutschland neu gebaut wird, wahrscheinlich für die nächsten fünfzig Jahre. Das ist ein epochales Ereignis.“

Der nächste Frühling kommt bestimmt! Eun-Sil Kim und Nikita Korneev in Demis Volpis "Winter" aus Die vier Jahreszeiten, Foto: Stuttgarter Ballett

Der nächste Frühling kommt bestimmt! Eun-Sil Kim und Nikita Korneev in Demis Volpis „Winter“ aus Die vier Jahreszeiten, Foto: Stuttgarter Ballett

Nun aber genug der Theorie, ab in die Vorstellung! Die beginnt mit einer Uraufführung. Ein Projekt von unglaublichem Charme: die John Cranko Schule tanzt die Vier Jahreszeiten von Vivaldi. Jede Jahreszeit wurde von einem ehemaligen Schüler bzw. einer Schülerin der John Cranko Schule choreographiert: Katarzyna Kozielska, Louis Stiens, Fabio Adorisio und Demis Volpi. Besonders schön sind dabei die fließenden Übergänge zwischen den Jahreszeiten, so dass trotz der unterschiedlichen ChoreographInnen ein einziges Stück entsteht, mit wunderschönen Kostümen des ehemaligen Tänzers Thomas Lempertz (der, raten Sie mal, auf welcher Schule war?). Und was für eine unglaubliche tänzerische Qualität diese zum Teil sehr, sehr jungen TänzerInnen da auf die Bühne bringen! Herausragend sind vor allem Eun-Sil Kim und Nikita Korneev, die den Winter tanzen. Sie verharren beide noch im eisgrauen Kostüm in ihrer Schlusspose, da läuft ein Mädchen im „Frühling“-Kostüm auf die Bühne, mit einer roten Blume in der Hand – der Kreislauf der Jahreszeiten beginnt von neuem. Ein wunderschönes Schlussbild!

Applaus für alle: Schülerinnen und Schüler der John Cranko Schule, der École de Danse de l'Opéra national de Paris, der Royal Ballet School, London, von Canada's National Ballet School und der ballettschule des Hamburg Ballett John Neumeier mit ihren DirektorInnen nach der Gala, Foto: Stuttgarter Ballett

Großer Applaus für alle: Schülerinnen und Schüler der John Cranko Schule, der École de Danse de l’Opéra National de Paris, der Royal Ballet School London, von Canada’s National Ballet School und der Ballettschule des Hamburg Ballett John Neumeier mit ihren DirektorInnen nach der Gala, Foto: Stuttgarter Ballett

Im zweiten Teil zeigen die Gastschulen aus Paris, London, Toronto und Hamburg, was sie können. Am meisten Applaus bekommen Daina Zolty und Siphe November aus Kanada für „I loves you Porgy“ und Olivia Betteridge und Borja Bermúdez de Castro aus Hamburg für „Molly! Do you love me?“ Das hat so viel Humor, dass ein Kind im Publikum vor dem Schlussapplaus unüberhörbar herauslacht. Die John Cranko Schule darf den Abschluss machen, mit Etüden von Tadeusz und Barbara Matacz. Die Bühne wird zum Wettbewerb der Tänzer, „wer springt am weitesten/höchsten“, und schließlich zum Wimmelbild unzähliger SchülerInnen in sehr unterschiedlichen Körpergrößen. Die legen alle noch einmal ein atemberaubendes Tempo vor. Dann ein bezauberndes Schlussbild, rauschender Applaus für alle Schulen und ihre PädagogInnen. Ein Ballettabend, der unglaublich viel Spaß gemacht hat. Nein, um den Nachwuchs und die Zukunft des Ballets muss man sich nicht nur in Stuttgart wirklich keine Sorgen machen. Draußen hat’s geregnet, aber anscheinend ist fast keiner gegangen.

Morgen ist die große Abschlussgala, 17 Uhr. Finale, und Schluss. Es gibt noch freie Plätze auf der Wiese. Lassen Sie die Glasflaschen zu Hause, bringen Sie stattdessen ein Regencape mit, und ein paar Häppchen mehr für die Nachbarn links und rechts auf der Wiese. Und halten Sie sich schon mal den 8. und 9. Juli 2017 für Ballett im Park frei.


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Kabatek bloggt: Danke, Sue Jin!

Was soll man jetzt bloß schreiben. Was für ein Abend, was für eine Frau! 30 Jahre lang war Sue Jin Kang beim Stuttgarter Ballett, und heute Abend tanzt sie mit Jason Reilly zum Abschied Crankos Onegin, das Ballett, das 1969 in New York den Beginn des Stuttgarter Ballettwunders markierte, das Ballett, dem sich Sue Jin persönlich verbunden fühlt wie keinem anderen.

Anastasia Schneider ist fünfzehn und war vier Jahre lang auf der John Cranko Schule. Sue Jin ist ihre Lieblingstänzerin. Warum? „Wegen ihrer Perfektion, ihrer Eleganz, und der Art, wie sie ihre Gefühle zeigt.“ Na, das ist doch mal auf den Punkt gebracht. Ein älteres Ehepaar hat Sue Jin schon öfter bei Empfängen erlebt und zeigt sich sehr beeindruckt von ihrer reizenden, zurückhaltenden und bescheidenen Art. „Wenn man nur so aussehen würde wie sie!“, sagt die Dame und lacht. Sie ist sich auch sicher, dass sie später nicht mehr lachen, sondern ein paar Tränen vergießen wird. Ja, Sue Jins Aussehen. Diese zeitlose Schönheit. Ich würde gerne in denselben Jungbrunnen hineinfallen wie sie. Wie sonst kann man es erklären, dass eine 49jährige als verliebtes junges Mädchen durchgeht? Was heißt hier durchgeht. Sie sieht aus wie ein junges Mädchen im 1. Akt! Wie sie Onegin hinterhersieht, wie ihr das Herz bebt! Und wie der sich im wahrsten Sinne des Wortes nur um sich selber dreht, wie er ein bisschen mit ihr tanzt und sie dann stehen lässt. Wie er ihr das Kinn hebt und dann gelangweilt zur Seite blickt. Einfach großartig, wie Jason Reilly diesen Superschnösel gibt – stell dir vor, du brichst jemandem gerade das Herz und merkst es nicht. Wir im Publikum aber merken es, an diesem jungen Mädchen, das keines ist.

Als ich nach dem 1. Akt ins Foyer trete, entdecke ich Marjin Rademaker. Was für eine Überraschung! Vor anderthalb Jahren hat der Publikumsliebling Stuttgart Richtung Amsterdam verlassen, um zum Niederländischen Nationalballett zu gehen. Bei seinem Abschied tanzte er mit Sue Jin Kang einen Pas de deux aus der „Kameliendame“, ebenjenem Ballett, das ihm an der Seite von Sue Jin Kang den Durchbruch in Stuttgart bescherte. Wie geht es ihm heute Abend? „Die Tränen sind nah“, sagt er. „Ich werde sie sehr vermissen. Sie hat mich so viel gelehrt, und wir haben so viel miteinander getanzt.“ Was wird ihm von diesem gemeinsamen Tanzen am meisten im Gedächtnis bleiben? „Ihre Augen.“

Signierstunde in der Pause mit Hyo-Jung Kang, Foto: Elisabeth Kabatek

Signierstunde in der Pause mit Hyo-Jung Kang, Foto: Elisabeth Kabatek

Nach dem 2. Akt (ich gestehe: Ich habe schon da geheult, und nicht zum ersten Mal) signieren im 1. Rang Hyo-Jung Kang, die die Olga getanzt hat, und Pablo von Sternenfels, der wiederauferstandene Lenski. Signieren ist das falsche Wort. Sie schreiben sich die Finger wund. Nur mit Mühe schaffen sie es, zwischendurch ein Glas Wasser hinunterzustürzen, schließlich kommen sie direkt von der Bühne. Besonders Hyo-Jung Kang ist von einer riesigen Traube von Fans umlagert, von denen viele ganz offensichtlich asiatischer Herkunft sind. Ich habe mich kurz mit einer Gruppe Koreaner unterhalten, die aus Frankfurt angereist ist. Es ist nicht zu übersehen, dass heute sehr viele Gäste aus Asien im Publikum sitzen, und es ist eine schöne Geste, dass Reid Anderson die zweite große weibliche Hauptrolle an diesem Abend ebenfalls mit einer Koreanerin besetzt hat, auch als Hommage an den Ort, an dem Sue Jin in Zukunft ihren Lebensmittelpunkt haben wird, als Direktorin des Koreanischen Nationalballetts.

Nun beginnt der 3. Akt, und die Spannung steigt, vor und auf der Bühne. Spiegel und Vorhänge, Trugbilder und Täuschungen: Zu spät erkennt Onegin den Irrtum seines Lebens. In keinem Cranko-Ballett ist die Seelenpein so groß. Wie sich die Rollen vertauscht haben! Wie Tatjana zur stolzen Frau des Fürsten Gremin gereift ist, während Onegin nur noch ein Schatten seiner selbst ist. Wie Onegin Tatjana anfleht, wie sie jetzt seinen Brief zerreißt. Wie sie immer wieder von ihm fortstrebt, und er sie zu halten versucht. Ja, die Rollen haben sich vertauscht, und doch gibt es einen großen Unterschied zum Anfang. All das Blasierte, Arrogante, was Onegin auszeichnete, ist Tatjana fremd. Sie kämpft den Kampf ihres Lebens gegen ihre eigenen Gefühle, und wie sich dieser Kampf in jeder Sekunde in Sue Jins Gesicht und in jeder Faser ihres Körpers ausdrückt, wie man genau sieht, dass dieser Kampf nur haarscharf zuungunsten Onegins ausgeht, das ist es, was diese Tänzerin so einzigartig macht.

Sue Jin Kang mit Jason Reilly in John Crankos Onegin, Foto: Stuttgarter Ballett

Sue Jin Kang mit Jason Reilly in John Crankos Onegin, Foto: Stuttgarter Ballett

Nun weist sie Onegin die Tür, mit diesem ausgestreckten Arm, in den sie alles legt, was ihr an Würde und Respekt vor sich selber geblieben ist, und Onegin erkennt, dass er verloren hat, und läuft zur Tür hinaus, ein gebrochener Mann. Tatjana bleibt zurück, sie steht in der Mitte der Bühne, ganz allein, und man liest in ihrem Gesicht und ihrem Körper, wie ihre Seele schreit, und der Vorhang schließt sich langsam und ist noch nicht richtig zu, da fängt das Publikum schon an zu schreien und zu toben. Es ist ein seltsamer Moment, denn eigentlich ist Sue Jin noch Tatjana, mitten in ihrer Rolle, eisern bis zur allerletzten Sekunde. Das Publikum kann es aber gar nicht so lange aushalten, schließlich hat es den ganzen Abend auf diesen Augenblick hingefiebert. Der Vorhang geht wieder auf, und man sieht ihr an, wie bewegt sie ist, aber schon beim zweiten Vorhang hat sie sich wieder gefasst und strahlt endlich, und Jason umarmt sie, dass es kracht. Das Publikum ist längst aufgesprungen, das Staatsorchester hat wieder zu spielen begonnen, und nun regnet es Blumen, sie fliegen in hohem Bogen von allen Seiten auf die Bühne, die ganze Bühne ist ein einziges buntes Blumenmeer – denn was Sue Jin nicht weiß, und was ich nicht verraten durfte, obwohl ich mir beinahe die Zunge abgebissen hätte, die ZuschauerInnen haben sich verabredet und untereinander diesen Blumenregen organisiert, um ihrer Sue Jin zu danken. Im Hintergrund der Bühne wird jetzt ein riesiges blaues Plakat entrollt, auf dem in weißer Schrift zu lesen steht, „Liebe Sue Jin, Danke für alles, we love you, we will miss you, alles Gute.“

Auch die Compagnie sagt Danke!, Foto: Elisabeth Kabatek

Auch die Compagnie sagt Danke!, Foto: Elisabeth Kabatek

Und nun kommt das große Defilé. Das komplette Ballett, und damit meine ich wörtlich das komplette Ballett, soweit man das überblicken kann in all dem Durcheinander, nicht nur etwa diejenigen, die heute Abend getanzt haben, sondern alle SolistInnen, Tamas Detrich, das Corps de Ballet, sämtliche MitarbeiterInnen des Balletts, WeggefährtInnen und ehemalige TänzerInnen, sie alle marschieren nun in einer langen Reihe auf die Bühne, und jede/r überreicht Sue Jin eine langstielige rote Rose, und Sue Jin küsst und umarmt sie alle. Von Marjin Rademaker kann sie nichts gewusst haben, denn sie schlägt die Hände völlig entzückt vors Gesicht und die beiden umarmen sich wild. Das Publikum klatscht übrigens durch, ohne auch nur eine Sekunde innezuhalten. Als ob das der großen Gefühle noch nicht genug wäre, kommt jetzt die Zuschauerüberraschung, die ich bisher noch nicht erwähnt habe, um ihnen beim Lesen nicht die Überraschung zu verderben. Auf jedem Platz im Opernhaus liegt nämlich ein Plakat mit einem roten Herz und dem Text „Danke, Sue Jin.“

1400 Herzen für Sue Jin, Foto: Elisabeth Kabatek

1400 Herzen für Sue Jin, Foto: Elisabeth Kabatek

Die Anweisung darauf lautet, auf Reid Andersons Zeichen hin das Plakat nach oben Richtung Bühne zu halten. Jetzt kommt Reid Anderson als Letzter auf die Bühne, mit einem riesigen Bukett aus roten Rosen, und nachdem er Sue Jin umarmt hat, hält er das Plakat Richtung Publikum und klappt es als Startzeichen auf, und das ganze Publikum des Opernhauses streckt Sue Jin das Plakat entgegen. Weil alle Hände an den Plakaten kleben, kann kein Mensch mehr klatschen, und so wird es auf einen Schlag fast gespenstisch ruhig. Die plötzliche Stille ist noch ergreifender als der Applaus, und Sue Jin kann es nicht fassen, dieses Meer aus roten Herzen, und langsam setzt der Applaus wieder ein, und Sue Jin verneigt sich in alle Richtungen, zum Publikum hin, zum Orchester, zum Ballett, sie formt mit den Händen ihrerseits ein Herz und streckt dieses Herz allen hin. Es dauert ziemlich lange, bis der Vorhang sich endgültig schließt und das völlig erschöpfte, völlig euphorische Publikum langsam zu sich kommt und aus den Reihen geht. Da öffnet sich der Vorhang ganz überraschend noch einmal, und nun steht Sue Jin ganz alleine da, so wie vorher während ihres letzten Bühnenmoments, und verneigt sich noch einmal ganz tief in alle Richtungen, als Hommage an das Publikum, das sie dreißig Jahre lang begleitet hat.

Stille im Saal: Das Publikum nimmt Abschied, Foto: Elisabeth Kabatek

Stille im Saal: Das Publikum nimmt Abschied, Foto: Elisabeth Kabatek

Unglaublich viele WeggefährtInnen strömen hinter die Bühne und formieren einen Kreis um Sue Jin herum. Sue Jin hält eine Rede, von der ich nicht viel mitbekomme, außer dem Dank am Schluss. Danach wird sie umarmt, geküsst, es werden unzählige Fotos gemacht, Marjin umarmt sie noch einmal richtig, und sie bekommt ein Porträt von sich geschenkt. Nein, sie ist nicht in Tränen aufgelöst. Sie ist unglaublich souverän und fröhlich, selbst in diesem Augenblick. Für jeden nimmt sie sich einen Moment Zeit, nichts scheint ihr zu viel. Sie hat auch unser kleines Interview nicht vergessen, auf das ich angesichts des Trubels schon beinahe verzichtet hätte. Ich stelle ihr nur eine einzige Frage. Woran wird sie sich erinnern, wenn sie achtzig ist und an das Stuttgarter Ballett zurückdenkt? „Ich werde an die Liebe denken“, sagt sie. „Die Liebe in meinem Herzen zum Stuttgarter Ballett, und diese Liebe werde ich mit ins Grab nehmen.“ Und dann küsst sie auch mich. Der eiserne Schmetterling mit dem riesigen Herzen, in das offensichtlich ganz Stuttgart und ganz Korea hineinpasst, ohne Platzprobleme. Der eiserne Schmetterling, bis zum Schluss. Danke, Sue Jin!