Stuttgarter Ballett Blog


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Lass dich verführen! // LE SPECTRE DE LA ROSE

Nicht wundern, wenn ihr heute im Probentagebuch auf den Fotos von Le Spectre de la Rose immer nur eine Dame seht, statt den männlichen „Rosengeist“: In Marco Goeckes Spectre gibt es nämlich einen starken weiblichen Gegenpart dazu. Hier auf den Fotos seht ihr unsere Halbsolistin Agnes Su, die die Rolle probt:


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Lass dich verführen! // LE SPECTRE DE LA ROSE

Wie lernen unsere Tänzer eigentlich ein neues Ballett? Vielleicht gibt ein Blick in den Ballettsaal Aufschluss: Unser Ballettmeister Rolando D’Alesio arbeitet mit den Tänzern an Marco Goecke’s Le Spectre de la Rose – mit Videoaufzeichnungen, seinen Notizen und – natürlich – indem er ihnen die Schritte zeigt :) Viel Spaß mit den heutigen Probenfotos …


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Lass dich verführen! // LE SPECTRE DE LA ROSE

Auch unser Hauschoreograph Marco Goecke steuert eine Choreographie zu unserem Ballettabend VERFÜHRUNG! bei: Le Spectre de la Rose hat am 3. Februar bei uns seine Deutschlandpremiere :) Hier proben die Herren gerade im Ballettsaal …


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Kabatek bloggt: Sommertrunken und ballettbeglückt

Elisa Badenes in William Forsythes The Second Detail, Foto: Stuttgarter Ballett

Elisa Badenes in William Forsythes The Second Detail, Foto: Stuttgarter Ballett

„Ist das schön!“ Ausnahmsweise gilt der kollektive Ausruf nicht dem Tanz des Stuttgarter Balletts, sondern der lauen Stuttgarter Sommernacht. Als die BesucherInnen des Ballettabends Forsythe/Goecke/Scholz aus dem Opernhaus treten, da ist die Nacht mondhell, die Fontäne im Eckensee glitzert romantisch und der Abendstern leuchtet am wolkenlosen Himmel, in perfektem Abstand zum goldglänzenden Hirsch auf dem Kunstgebäude. Der Abend ist damit endgültig zur Gesamt-Choreographie geworden. Schon vorher haben plaudernde Menschen glücklich auf dem Balkon gestanden und hinabgeblickt auf den Eckensee. Sommertrunken und ballettbeglückt.

Die heutige Ballettvorstellung steht ganz im Zeichen der Hauschoreographen des Stuttgarter Balletts. Hauschoreograph, auch so ein Job wie Ballettdirektor, der in keiner Stellenausschreibung vorkommt. William Forsythe, der große Ballett-Revoluzzer, wurde von Marcia Haydée zum Hauschoreographen ernannt. Eine mutige Entscheidung, die einmal mehr beweist, dass die Stuttgarter BalettdirektorInnen nie allein vom Glanz John Crankos lebten, sondern immer auch in die Zukunft blickten. Acht Werke schuf Forsythe insgesamt für das Stuttgarter Ballett, einige davon schrieb er dem Tänzer Reid Anderson auf den Leib. Dass seine Choreographie „The second detail“ heute als Erstes auf dem Programm steht, macht einen Ballettbesucher aus Karlsruhe glücklich, der ein totaler Forsythe-Fan ist. Seit dreißig Jahren kommt er regelmäßig mit dem Zug von Karlsruhe nach Stuttgart, um sich Ballettvorstellungen anzusehen. „Forsythe hat etwas ganz Neues geschaffen, man erkennt ihn sofort“, befindet er. „Man erkennt auch sofort, wenn einer versucht, ihn zu imitieren.“ Leichte Kost ist Forsythe nicht, weder für die TänzerInnen noch für die Zuschauer. Die Musik von Thom Willems ist abgehackt, ohne durchgängiges Motiv oder erkennbare Struktur. Sich dazu zu bewegen, ist eine Herausforderung, die das Stuttgarter Ballett bravourös meistert, und beim tosenden Applaus ist die Anstrengung in den Gesichtern der TänzerInnen zu lesen. Doch gerade wegen dieser Herausforderung gibt es auch unter den TänzerInnen viele Forsythe-Fans.

Gut gelaunte Festwochen-Besucherinnen: Die Tanzgruppe des Hohenemser Tanzhauses, Foto: E. Kabatek

Gut gelaunte Festwochen-Besucherinnen: Die Tanzgruppe des Hohenemser Tanzhauses, Foto: E. Kabatek

“One of the greatest ballet companies in the world!” Das sagt einer über das Stuttgarter Ballett, der es wissen muss. Neben mir sitzt der kanadische Ballettkritiker Gary Smith. Aus Toronto ist er angereist und schreibt für das Dance International Magazine. Er reist durch die Welt und sieht sich Ballettvorstellungen an, letzte Woche war er in Hamburg bei John Neumeier, nächste Woche geht’s nach London zum Royal Ballet. Wieder so ein Job, der nicht in der Zeitung steht, leider. Seit zwanzig Jahren kommt Gary jedes Jahr nach Stuttgart. „Als Reid hier anfing, habe ich ihm einen Brief geschrieben“, erzählt er. „Eigentlich habe ich nicht mit einer Antwort gerechnet. Postwendend kam aber die Antwort aus Stuttgart.“ Er findet, dass sich das Publikum in Stuttgart besser auskennt als das Publikum in den USA und Kanada, und die Beziehung zwischen Ballett und Publikum erscheint ihm viel enger. Ich überprüfe das in der Pause. Ich laufe durch die verschiedenen Ränge und belausche die Gespräche, mit einem Drink in der Hand und scheinbar geistig abwesend, damit es keinem auffällt. Niemand redet hier über das Wetter oder Pokémon Go; alle reden übers Ballett. Eine Gruppe sehr gut gelaunter Damen mit unüberhörbarem österreichischen Akzent ist aus Hohenems in der Nähe von Bregenz angereist. Sie gehören zu einer Tanzgruppe des Hohenemser Tanzhauses. Dort tanzen Menschen mit und ohne Behinderung miteinander. Jetzt haben acht der Damen einen Ausflug zum Stuttgarter Ballett gemacht.

Roman Novitzky in Marco Goeckes Lucid Dream, Foto: Stuttgarter Ballett

Roman Novitzky in Marco Goeckes Lucid Dream, Foto: Stuttgarter Ballett

Das Stück des aktuellen Hauschoreographen ist in der Mitte des Abends platziert. Marco Goecke wurde 2005 von Reid Anderson zum Hauschoreographen ernannt, und wie Forsythe war auch er in den ersten Jahren umstritten. Heute zweifelt niemand mehr seine Fähigkeiten an. 2015 wurde Goecke von der Fachzeitschrift „Tanz“ zum Choreographen des Jahres gekürt. Fürs sehgewohnte Stuttgarter Publikum ist Goecke längst wie ein alter Bekannter, seine extrem expressiven Arm- und Handbewegungen, die mich oft an Vögel erinnern, sind dem Publikum vertraut. Ja, es ist doch erstaunlich, wie sehr dieses Stuttgarter Publikum immer wieder bereit ist, sich auf Neues einzulassen und darauf zu bauen, dass die Intendanz einen guten Geschmack beweist. Für „Lucid Dream“ gibt es langanhaltenden Applaus für die zehn fabelhaften Tänzer und eine Tänzerin (Agnes Su).

Sommerleicht endet der Abend mit Uwe Scholz‘ „Siebter Sinfonie“ zur Musik von Beethoven,1991 beim Stuttgarter Ballett uraufgeführt. Kostüme, Licht und Bühne – was für eine Augenweide! Was für ein Genuss auch für die Ohren! Jeder Schritt, jede Bewegung passt hier so perfekt zur Musik, als hätten Scholz und Beethoven das Stück gemeinsam komponiert und choreographiert. Besonders im Gedächtnis bleibt mir der erstaunliche Moment des Nichttanzens: 24 TänzerInnen stehen um einen Lichtkegel herum, ohne sich zu bewegen. Ein magischer Augenblick. Magisch auch das Solistenpaar, Anna Osadcenko und Constantine Allen. Großes Kino, großer Applaus.

Anna Osadcenko, Constantine Allen und Ensemble in Uwe Scholz' Siebte Sinfonie, Foto: Stuttgarter Ballett

Anna Osadcenko, Constantine Allen und Ensemble in Uwe Scholz‘ Siebte Sinfonie, Foto: Stuttgarter Ballett

Diese Compagnie kann einfach alles, die Moderne genauso wie die Klassiker von Cranko. Mit zunehmender Hitze steigt auch die Spannung: an den nächsten drei Abenden wird es Höhepunkte nur so hageln, wenn die drei großen Cranko-Handlungsballette hintereinander weg auf die Bühne des Opernhauses kommen. Es ist Sommer, am Mittwoch ist Vollmond, und Friedemann Vogel und Alicia Amatriain tanzen „Romeo und Julia“. Perfektes Timing! Als zusätzliches Schmankerl tritt Birgit Keil als Gast in der Rolle der Lady Capulet auf. Am Donnerstag gibt Constantine Allen sein Stuttgarter Rollendebüt als Petrucchio in der „Widerspenstigen“ und am Freitag kommt das große Heulen, wenn Sue Jin Kang nach 30 Jahren ihren Bühnenabschied in „Onegin“ gibt. Sie alle darf ich hinter der Bühne treffen und ich freue mich riesig darauf. Und nicht vergessen, heute Abend zeigt der SWR um 23.40 Uhr den Film über das Stuttgarter Ballett. Danach ist er 90 Tage in der Mediathek zu sehen. Und noch ein allerletzter Tipp: Die balletterfahrene Dame erkennt man daran, dass sie sich bei diesen Temperaturen einen Fächer mitbringt. Vor allem, wenn sie in der „Zwetschgendörre“ im 3. Rang sitzt.

 

Elisabeth Kabatek


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Kabatek bloggt: Stuttgart vibrations im Kammertheater

Alicia Amatriain, Adhonay Soares da Silva, Fabio Adorisio, Alexander Mc Gowan in Bridget Breiners Sirs, Foto: Stuttgarter Ballett

Alicia Amatriain, Adhonay Soares da Silva, Fabio Adorisio, Alexander Mc Gowan in Bridget Breiners Sirs, Foto: Stuttgarter Ballett

Nach dreimal Ballett in nicht mal 24 Stunden fühle ich mich ein bisschen so, als hätte ich etwas sehr Verbotenes, sehr hoch Dosiertes geraucht. Es ist ein ziemlich gutes Gefühl. Gibt es überhaupt noch was Anderes im Leben als Ballett? Für all die TänzerInnen und ChoreographInnen, die sich am Sonntag Nachmittag im Kammertheater für die Premiere von „Skizzen“ versammelt haben, bestimmt nicht. „Wir haben alle unser Leben dem Tanz geopfert“, so hat es Robert Conn am Morgen beim Gespräch im Opernhaus formuliert. Das Opfer trägt Früchte, der Nachmittag wird zur grandiosen, umjubelten Leistungsschau. Fast hundert Choreographien sind in den letzten zwanzig Jahren unter der Intendanz Reid Andersons in Stuttgart entstanden, zwölf davon werden an diesem Nachmittag gezeigt, und endlich stehen auch die Stuttgarter TänzerInnen auf der Bühne und zeigen, was sie können. Neben mir läuft Katarzyna Kozielska über den giftgrünen Boden des Kammertheaters. Die Halbsolistin des Stuttgarter Balletts ist einer der Shootingstars der Choreographie, mit ihrem Stück „Neurons“ hat sie erst vor wenigen Monaten in Stuttgart abgeräumt, am heutigen Nachmittag wird sie dem Solisten Adhonay Soares da Silva mit ihrem Stück „Firebreather“ alles abverlangen. Ich kann mir das nicht vorstellen, sage ich, wie man das macht, eine Choreographie zu entwickeln.

Adhonay Soares da Silva in Katarzyna Kozielskas Firebreather, Foto: Stuttgarter Ballett

Adhonay Soares da Silva in Katarzyna Kozielskas Firebreather, Foto: Stuttgarter Ballett

Sie lacht. „Für mich ist Körpersprache die natürlichste Sprache, die es gibt“, meint sie. „Die Ideen dazu kommen ganz von alleine. Noch jedenfalls!“ Für mich, die ich mit Worten arbeite, ist das ziemlich schwer vorstellbar, mit dem Körper eine Geschichte zu erzählen. Jeder Choreograph, jede Choreographin hat eine ganz eigene, charakteristische Ausdrucksweise. Manche erkennt man gleich, zum Beispiel die dynamische Bewegungssprache von Marco Goecke, einem der Hauschoreographen des Stuttgarter Balletts. Friedemann Vogel bekommt an diesem Nachmittag für sein Solo aus Goeckes Orlando viele Bravos. Als er mit dem nackten Rücken zum Publikum steht, hat man fast das Gefühl, als könne dieser Ausnahmetänzer jeden

Friedemann Vogel in Marco Goeckes Orlando, Foto: Stuttgarter Ballett

Friedemann Vogel in Marco Goeckes Orlando, Foto: Stuttgarter Ballett

Muskel gezielt einzeln bewegen. Das ist das Großartige am Kammertheater, man sieht so viel mehr als im Opernhaus, man ist so nah dran am Bühnengeschehen. Kein Orchestergraben schafft Distanz, man hört, wie der Atem der TänzerInnen immer schneller geht, man sieht die körperliche Anstrengung und den Schweiß, und unsere Superhelden rücken ein ganz klein wenig näher an uns Normalsterbliche heran.

In der Pause frage ich ein paar Besucherinnen, wie Ihnen die „Skizzen“ gefallen. „Sie sind doch die, die bei der Filmpremiere ihren Platz nicht gefunden hat, oder?“, entgegnet eine der Damen. Okay, auch so kann man Berühmtheit erlangen. Danach entbrennt eine leidenschaftliche Diskussion darüber, ob das Stuttgarter Ballettpublikum zu viel oder zu wenig klatscht, es wird Bedauern darüber ausgedrückt, dass Fußball viel beliebter ist als Ballett, und es wird moniert, dass die Ballettstars insgesamt viel zu wenig Anerkennung bekommen. Friedemann, findet eine der Damen, soll am besten die großen Handlungsballette tanzen, während Alicia in den modernen Stücken einfach fantastisch ist. So könnte man munter weiterreden, allein, die Pause ist zu Ende. Das ist auch so eine Besonderheit des Stuttgarter Publikums: Man kann ansprechen, wen man will, alle kennen sich aus. Hier geht man nicht einfach ins Ballett, um sich sehen oder berieseln zu lassen. Nein, hier ist jeder ein Experte! Man studiert eifrig das Programmheft, man fachsimpelt, man fiebert mit bei einem Rollendebüt, und man ist durchaus auch kritisch.

Nach der Pause läuft Georgette Tsinguirides strahlend am Arm von Ivan Cavallari die Rampe hinauf ins Kammertheater. Sie ist ziemlich klein, er ist ziemlich groß. Ob sie weiß, wie viele Blicke ihr folgen? Wie viele Menschen sie bewundern, weil sie seit über siebzig Jahren nahezu täglich in den Ballettsaal kommt, um ihr Wissen weiterzugeben? Stuttgarter Ballettwunder, eines der vielen!

Der Nachmittag endet, wie könnte es anders sein, fulminant, mit einem Auszug aus Christian Spucks Lulu.

Alicia Amatriain, David Moore in Christian Spucks Lulu, Foto: Stuttgarter Ballett

Alicia Amatriain, David Moore in Christian Spucks Lulu, Foto: Stuttgarter Ballett

Da könnte man dann fast wieder

ein klein wenig wehmütig werden, dass dieser Choreograph, der Stuttgart all die fantastischen Handlungsballette beschert hat, als Ballettdirektor nach Zürich abgezwitschert ist (wo alle Geld haben und nicht darüber reden, wie er es am Morgen so schön formuliert hat). Hinter der Bühne treffe ich den Choreographen Kevin O’Day, der in den letzten Jahren sehr erfolgreich in Mannheim gearbeitet hat. Auch er hat heute abgeräumt. Anna Osadcenko und Jason Reilly haben seine Choreographie Delta Inserts getanzt. Es ist eine Beziehungsgeschichte, die O’Day

Anna Osadcenko und Jason Reilly in Kevin O'Days Delta Inserts, Foto: Stuttgarter Ballett

Anna Osadcenko und Jason Reilly in Kevin O’Days Delta Inserts, Foto: Stuttgarter Ballett

1999 für das Stuttgarter Ballett kreiert hat, die Musik hat John King extra dafür geschrieben. Es war die erste Choreographie des Amerikaners für eine europäische Compagnie. Und, ist er zufrieden? „Sehr. Wir haben ein bisschen geprobt, ein bisschen verändert. Das Stück ist ja schon 18 Jahre alt.“ Ich lerne also wieder etwas Neues: eine Choreographie ist nicht in Stein gemeißelt, sondern wird der Zeit, den Tänzern angepasst? Er nickt. „Ich verändere eine

Choreographie manchmal von einer Vorstellung zur nächsten.“ Ist es anders, in Europa zu arbeiten als in den USA? O ja, meint er. Jeder Ort hat seine eigenen vibrations. Und, wie sind sie, die Stuttgarter vibrations? Stuttgart ist ein ungemein kreativer Ort, fällt ihm spontan dazu ein. Na, das hören wir doch gerne. Unterdessen verabschieden sich im Hintergrund die zur Gesprächsrunde angereisten BallettdirektorInnen. See you in Paris. See you in Venice!

Unsere Bloggerin Elisabeth Kabatek mit dem Choreographen Kevin O’Day nach der Premiere von Skizzen

Am Dienstagabend bin ich übrigens das nächste Mal wieder im Ballett. Wenn Sie mir was erzählen wollen, sprechen Sie mich einfach an. Ich bin ganz leicht zu erkennen. Ich bin die Frau, die immer ihren Platz sucht.

 

Elisabeth Kabatek