Stuttgarter Ballett Blog


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Kabatek bloggt!: Wer sind die Superstars von morgen?

Bei der Gala der John Cranko Schule gibt der Nachwuchs alles

Es ist der Morgen vor der Gala der John Cranko Schule, und es regnet. Nach all den trockenen Tagen, ausgerechnet heute! Den Tänzerinnen und Tänzern, die gestern Abend größtenteils auf der Bühne standen, um einen grandiosen Onegin abzuliefern, war nur eine kurze Nacht beschieden. Praktisch die komplette Compagnie steht hinter der Bühne parat – Generalprobe für die Gala! Sie sind alle in voller Montur und perfekt geschminkt und warten auf ihren Auftritt, die Generalprobe ist wie der Ernstfall, und es ist gar nicht so einfach, über die Bühne zu kommen, denn Tutus benötigen ziemlich viel Platz um sich herum, wie ich schnell lerne. Tadeusz Matacz, der Direktor der John Cranko Schule, braucht noch ein paar Minuten. Er kann sich gerne Zeit lassen, so lange darf ich im Parkett bei der Generalprobe zuschauen – und natürlich nichts davon verraten! Die Luft knistert geradezu vor Anspannung und Konzentration, ein ganzer Trupp von Leuten beobachtet die Probe, Tamas Detrich gibt per Mikrofon Anweisungen auf Englisch und ruft einmal „Ruhe, bitte!“ Er ist schließlich für die komplette Gala verantwortlich, Reid Anderson wurde in Urlaub geschickt, damit er nicht einmal die Musik zu den Proben durch die Gänge des Opernhauses schallen hört, denn dann wüsste er natürlich sofort, was heute getanzt wird! Und außerdem soll das Wetter bis zum Nachmittag gut werden!

Am Samstag aber geht es erst einmal um den Nachwuchs – um die John Cranko Schule und ihren Direktor Tadeusz Matacz. Wir sitzen im Foyer im 1. Rang, im Hintergrund ist noch immer die Musik für die Gala zu hören. Vor zwei Jahren hat er mir erzählt, dass er sich beim Bau der Schule fühlt wie eine Mischung aus Architekt, Bauingenieur und Handwerker. Wie sieht es heute aus? Er seufzt. „Es ist nicht besser geworden. Wissen Sie, ich arbeite schon mein ganzes Leben am Ballett. Da geht es immer um schnelles Verarbeiten, um Reaktion, um Geschwindigkeit. Meine Arbeit gleicht der Arbeit in einem Bienenschwarm, man muss unglaublich wach sein. Beim Bau der Schule geht alles viel schleppender, das ist eine ganz andere Herangehensweise, und die Mühlen mahlen langsam. Das ist für mich eine Geduldsprobe. Ich bin der einzige Ballettspezialist in der Runde, seit der Jahrtausendwende versuche ich Architekten und Handwerkern und dem Hochbauamt in endlosen Sitzungen unsere Nutzungsanforderungen zu vermitteln. Wenn ich eines gelernt habe, dann dies: Für mich heißt optimieren, die beste Lösung zu finden. Wir brauchen das, was wir brauchen. Aber mir wird ständig vermittelt, dass die optimale Lösung die billigste ist. “
Und wenn es dann hoffentlich irgendwann geschafft ist, worauf freut er sich dann am meisten?
„Zunächst müssen wir den Umzug schaffen, das wird noch einmal ein riesiges Logistik-Problem. Aber dann haben wir acht Ballettsäle, vier große mit je 210 Quadratmetern und vier kleine mit je 135 Quadratmetern – die kleinen sind so groß wie unser jetziger großer Raum.“
„Und ohne Säulen!“ Diese Säulen, die Reid Anderson in den Wahnsinn getrieben haben!
„Genau, ohne Säulen! Das ist dann Weltniveau, endlich. Die Probebühne wird genauso groß sein wie die Bühne im Opernhaus, wir können dann 1:1 proben. Ich habe gesagt, die Dimensionen müssen so groß sein wie das größte Bühnenbild im Opernhaus, das ist im Moment Lulu, und das könnten wir dort in der Schule machen. Jetzt geht es an das Feintuning, das ist auch nicht so einfach. Stellen Sie sich vor, jetzt wollen die Bauherren spezielle Stühle für die Compagnie gestalten – dabei hocken die bei der Probe immer nur auf dem Boden! Ich habe ja keine Vorbilder, es ist die einzige Ballettschule weltweit, die neu gebaut wird, alle anderen Schulen sind in Gebäuden untergebracht, die umgenutzt wurden. Mit der neuen Schule sind wir endlich konkurrenzfähig.“
„Konkurrenzfähig? Reißt sich der Nachwuchs denn nicht darum, nach Stuttgart zu kommen?“
„Es ist nicht so, dass der Name Stuttgart allein genügt! Weltweit reißen sich alle Ausbildungsstätten um Talente. Wir sprechen hier ja von 14- bis 16-Jährigen. Ein Umzug nach Stuttgart ist für viele ein größeres Problem als ein Umzug in ein englischsprachiges Land, wegen der deutschen Sprache. Wir dürfen uns nicht darauf verlassen, dass wir der Nabel der Welt sind, es ist keine Selbstverständlichkeit.“
„Wenn Sie einen Schüler oder eine Schülerin für die Schule in Betracht ziehen, schauen Sie da auch nach der Persönlichkeit?“
„Heute suchen wir den Nachwuchs vor allem bei Wettbewerben. Die tanzen da vierzig Sekunden bis maximal zwei Minuten. Da muss ich blitzschnell entscheiden. Vortanzen, hier bei uns, das machen wir praktisch nicht mehr, die Bewerbungen kommen alle per Videos. Bei 14-, 15-, 16-Jährigen kann man noch nicht von Persönlichkeit sprechen, die Reife kommt später mit der Erfahrung. Was mich erschreckt: Das technische Niveau klettert immer weiter in die Höhe. Wo sind die Grenzen des menschlichen Könnens? Und dann schauen Sie sich an, was aus Stars wie Michael Jackson wird, wenn man sie zu sehr pusht. Nicht so sehr pushen, nicht so viel anheizen! Ich bremse eher. Unser erster Job ist die Ausbildung.“
Und worauf freut er sich am meisten bei der Gala?
„Ich habe bei der Auswahl natürlich an Reid gedacht. Aber das ist kein Programm, um das Publikum zu blenden, sondern um zu zeigen, wo wir stehen. Vergessen Sie nicht: Das sind Kinder und Jugendliche! Auch wenn sich jetzt schon abzeichnet, dass in den nächsten Jahren drei, vier Superstars aus der Schule kommen.“

Die Superstars von morgen, wird man sie bei der Gala entdecken? Ob das Stuttgarter Publikum mit seinem geschulten Blick schon gesehen hat, wo die Talente schlummern? Zum Glück regnet es abends nicht mehr, die frühere Solistin Sonia Santiago verbreitet bei Ballett im Park als Moderatorin gute Laune. Im Opernhaus sind heute auffällig viele Kinder, wahrscheinlich haben sie Geschwister in der John Cranko Schule oder träumen von einer Karriere beim Ballett. Die Stimmung ist festlich, jeder Platz ist besetzt. Der Abend beginnt mit den älteren Tänzerinnen und Tänzern, die die wunderschöne Choreographie Air! von Uwe Scholz tanzen. Erst dreiundzwanzig Jahre alt war Uwe Scholz, als er dieses zeitlos ästhetische Stück 1982 für das Stuttgarter Ballett (damals unter Marcia Haydée) schuf. Sechs Paare in den Farben Vanille, Schoko und Rost stehen auf der Bühne und tanzen mit großer Leichtigkeit und Freude auf die Musik von Johann Sebastian Bach, die sich ganz wunderbar fürs Ballett eignet. Im zweiten Satz entstehen immer neue, wunderschöne Bilder, die man wegen des langsamen Tempos so richtig auskosten kann – im dritten Satz gibt es eine erste Kostprobe davon, was die Männer an gewaltigen Sprüngen draufhaben! Nach diesem fulminanten Auftakt gibt es eine sehr kurze, sehr bewegende Rede von Tadeusz Matacz.

Reid Anderson, Tadeusz Matacz und SchülerInnen der John Cranko Schule, © Elisabeth Kabatek

„Wie kann man einen langjährigen Freund verabschieden? Alle Worte scheinen mir so unpassend, bis auf diese“ – er deutet auf sein T-Shirt, auf dem „Danke, Reid“, steht. Dann erzählt er die Anekdote, wie er in seiner Anfangszeit als Direktor der John Cranko Schule zum Intendanten ging und ihm tausend Fragen stellte. „Das ist deine Schule, mach, was du willst!“, war die Antwort. Es ist dieser Rückhalt, die Loyalität von Reid Anderson, die Tadeusz Matacz besonders herausstreicht.

Nun aber weiter im Programm, und jetzt gibt es gleich einen Knaller. Aina Oki und Motomi Kiyota tanzen Sylvia Pas de deux von George Balanchine, und die beiden aus Japan stammenden Tänzer sind einfach atemberaubend! Aina dreht Pirouetten, dass einem schon beim Zuschauen schwindlig wird, und Motomi beeindruckt nicht nur in diesem Stück mit ungeheuer hohen und kraftvollen Sprüngen. Dann geht es gerade so weiter, mit Marco Goeckes A Spell on You, von drei Tänzern und einer Tänzerin in rasendem Tempo so unfassbar perfekt getanzt, dass man nicht glauben mag, dass man es hier nicht mit alten Hasen zu tun hat – besonders Navrin Turnbull reißt das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin. Dann kommt schon der nächste Höhepunkt, Wiktoria Byczkowska mit Henrick Erickson und Alexander Smith in Lamento della ninfa. Die norwegische Sängerin Ane Brun hat aus Monteverdis Original einen wunderschönen „barocken Popsong“ gemacht, und man hält den Atem an, wie akrobatisch und gleichzeitig ungeheuer ausdrucksstark vor allem Wiktoria dieses Stück von Stephen Shropshire interpretiert.

Aber dann! Nach der Pause! In den Etüden geben alle noch einmal alles. Es geht Schlag auf Schlag. Alle zusammen, dann die Kleinen (und es fällt schwer, sich ein „Hach, sind die süß“, zu verkneifen), dann die Großen, dann wieder bunt gemischt. In unterschiedlichen Konstellationen zeigen alle noch einmal, was sie draufhaben, bis zum großen gemeinsamen Finale vor einem Banner, auf dem natürlich „Danke, Reid“, steht. Leider fällt der Applaus sehr kurz und verhalten aus. Schade. Man geht ein wenig betrübt nach Hause.

Das haben Sie jetzt nicht wirklich geglaubt, oder? Es gibt natürlich Standing Ovations, für alle Schülerinnen und Schüler, für alle, die sich um ihre Ausbildung kümmern, für Tadeusz Matacz und natürlich Reid Anderson. Nein. Man muss sich um die Zukunft des Stuttgarter Balletts, das seinen Nachwuchs aus der John Cranko Schule rekrutiert, nicht die geringsten Sorgen machen. Im Gegenteil. Auf diesen Nachwuchs darf man sehr gespannt sein und sich riesig freuen! Wir drücken Tadeusz Matacz die Daumen, dass der Neubau zu einem guten Ende findet – der Tag der Einweihung wird ein guter Tag für Stuttgart sein.

Das Wetter hat gehalten, auf meinem Nachhauseweg fängt’s wieder an zu regnen. Glück gehabt! Und nun alle mit dem Picknick und der Decke und vielleicht einem Regenschutz, nur so für alle Fälle, zum Ballett im Park! Zur Gala!

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Kabatek bloggt: „Wer ganz nach oben will, muss Demut lernen“

Ballett im Park bei jedem Wetter - auch bei Regen und Sonne gleichzeitig!, Foto: Elisabeth Kabatek

Ballett im Park bei jedem Wetter – auch bei Regen und Sonne gleichzeitig!, Foto: Elisabeth Kabatek

Nach dem emotionalen Rollercoaster des Abschieds von Sue Jin Kang ist heute ein fröhlicher Abend angesagt. Der Nachwuchs darf bei der Gala der John Cranko Schule zeigen, was er kann, und es ist der erste der beiden Abende von Ballett im Park. Um sieben geht’s los. Kurz nach sechs ballen sich am Himmel graue Wolken und ein heftiger Schauer geht nieder, bei gleichzeitigem Sonnenschein. Die Wiese am Eckensee ist schon gut besetzt. Niemand lässt sich vom Regen in irgendeiner Weise beeindrucken. Das kann doch einen Stuttgarter Ballettfan nicht erschüttern! Überall sind schon Picknickdecken ausgebreitet, Babys krabbeln herum, Statisten in barocken Kostümen verteilen Programme. Die erfahrenen BesucherInnen wissen, dass Glasflaschen aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt sind, und haben sich ihre Getränke in Plastikflaschen umgefüllt, auch die alkoholischen. Zum Beispiel die drei Damen, die bei meiner Suche nach dem leckersten Picknick die absoluten Gewinnerinnen sind. Sie haben einen Drink gemixt, der sich „Kalte Ente“ nennt und aus Prosecco, Wasser und in Weißwein marinierter Zitronenschale besteht. Außerdem haben sie eine Käseauswahl dabei, die einer französischen Käsetheke würdig wäre. „Die leckersten Sachen haben wir leider schon gefuttert“, meinen sie bedauernd. Zum Beispiel die mit Schafskäse gefüllten Auberginen.

Diese Damen erhalten den Preis für das leckerste Picknick!, Foto: Elisabeth Kabatek

Diese Damen erhalten den Preis für das leckerste Picknick!, Foto: Elisabeth Kabatek

Macht nichts, das mit Walnuss und Gorgonzola gefüllte Teilchen, das ich probieren darf, schmeckt köstlich. Zum zweiten Mal haben sich die Freundinnen zu Ballett im Park verabredet. „Letztes Jahr war es soo toll. Aber wir haben gelernt, dass man früher kommen muss, um einen besseren Platz zu ergattern.“ Da könnte ich mich jetzt niederlassen und mitfuttern, so wie Sonia Santiago, die die Moderation auf der Bühne macht, es vorgeschlagen hat. „Schmuggeln Sie sich doch einfach bei jemandem auf die Picknickdecke.“ Sie erinnert außerdem daran, dass Ballett im Park Jubiläum hat: 20 Jahre Intendanz Reid Anderson, 10 Jahre Ballett im Park. Mit Schwanensee hat es 2007 angefangen. Mittlerweile ist Ballett im Park aus dem Stuttgarter Sommer nicht mehr wegzudenken. Unterm Baum sitzt eine Stuttgarterin mit Besuch aus München. An ihrer entspannten Haltung mit Prosecco in der Hand erkennt man den Ballett-im-Park-Vollprofi, der Gast aus München ist zum ersten Mal da und einfach nur neugierig. „Ich war bestimmt schon sechsmal hier“, erzählt sie. „Ich habe einen Enkel, der früher sechs Jahre bei der John Cranko Schule getanzt hat. Da verfolgt man es automatisch weiter.“ Falafelburger und Rote Würste wandern an mir vorbei, und ich wandere ins Opernhaus, um Tadeusz Matazc, den Direktor der John Cranko Schule, vor der Vorstellung zu treffen.

Unsere Blog-Autorin Elisabeth Kabatek mit John Cranko Schul-Direktor Tadeusz Matacz

Unsere Blog-Autorin Elisabeth Kabatek mit John Cranko Schul-Direktor Tadeusz Matacz

Was ist das Geheimnis des Erfolgs der John Cranko Schule, Herr Matacz? !Die Zugehörigkeit zum Stuttgarter Ballett, die engen Verbindungen. An anderen Orten sind die Ballettschulen den Hochschulen angegliedert.! Und wie läuft das mit der Talentsuche – Pablo von Sternenfels beispielsweise ist über den renommierten Wettbewerb Youth American Grand Prix (YAGP) an die John Cranko Schule gekommen und hat beim Stuttgarter Ballett eine fantastische Karriere hingelegt. Ist das der normale Weg? „Michael Jackson und der Hip Hop haben dem Tanz einen wahnsinnigen Schub verpasst. Plötzlich wollte jeder tanzen. Aber nach einer Weile hat man gesehen, dass man einen breit trainierten Nachwuchs braucht. Ohne die Wettbewerbe könnte man das gar nicht filtern. Allein in Japan gibt es 15.000 Privatschulen!“ Den interessantesten Nachwuchs sieht er im Moment übrigens in Lateinamerika, vor allem in Mexiko. „Da gehen viele Talente aus sozialen Projekten hervor.“ Wie zur Bestätigung treffe ich in der Pause zufällig Sara Collier, die im Norden Mexikos eine Ballettschule hat; einer ihrer Schüler hat es ans Hamburger Ballett geschafft. Sieht Matacz sofort, welches Potenzial in einem Tänzer steckt, ob er es ganz an die Spitze schaffen kann? Er nickt. „Ja, das sehe ich sofort, ich mache den Job schon so lange. Aber es ist ja nicht nur das Talent. Die TänzerInnen müssen erst einmal Demut lernen. Sie müssen lernen, einer von vielen zu sein. Nur wer Demut lernt, schafft es ganz nach oben.“ Demut. Wieder so ein altmodisches Wort, wie das Wort Hingabe, mit dem Harold Woetzel, der Regisseur des SWR-Films, die TänzerInnen des Stuttgarter Balletts charakterisiert hat. Demut, Hingabe, Disziplin. Tugenden, die anderswo längst aus der Mode gekommen sind, scheinen im Ballett von fundamentaler Bedeutung zu sein. Träumt denn jede/r davon, einmal ganz vorn zu stehen? Ja, sagt er, niemand gibt sich freiwillig mit der zweiten Reihe zufrieden, und das ist ja eigentlich ganz normal. Wenn es dann nicht so klappt, ist die Realität oft hart.

Natürlich müssen wir auch noch kurz über den Neubau der John Cranko Schule sprechen. „Chapeau, Reid“, sagt Matacz. Jahrelang hat dieser für den Neubau gekämpft und die schlechten Bedingungen in der alten Schule angeprangert, die einer Talentschmiede mit Weltruf einfach nicht angemessen sind. Im Moment tut sich ihr Direktor ein wenig schwer damit, sich das fertige, große Ganze vorzustellen. Er fühlt sich mehr als eine Mischung aus Architekt, Bauingenieur und Handwerker, weil er über Steckdosen, ISDN-Anschlüsse und Raumtemperaturen entscheiden muss. „Es gibt kein Handbuch für Ballettschulen“, meint er. „Das ist die einzige Ballettschule, die in Deutschland neu gebaut wird, wahrscheinlich für die nächsten fünfzig Jahre. Das ist ein epochales Ereignis.“

Der nächste Frühling kommt bestimmt! Eun-Sil Kim und Nikita Korneev in Demis Volpis "Winter" aus Die vier Jahreszeiten, Foto: Stuttgarter Ballett

Der nächste Frühling kommt bestimmt! Eun-Sil Kim und Nikita Korneev in Demis Volpis „Winter“ aus Die vier Jahreszeiten, Foto: Stuttgarter Ballett

Nun aber genug der Theorie, ab in die Vorstellung! Die beginnt mit einer Uraufführung. Ein Projekt von unglaublichem Charme: die John Cranko Schule tanzt die Vier Jahreszeiten von Vivaldi. Jede Jahreszeit wurde von einem ehemaligen Schüler bzw. einer Schülerin der John Cranko Schule choreographiert: Katarzyna Kozielska, Louis Stiens, Fabio Adorisio und Demis Volpi. Besonders schön sind dabei die fließenden Übergänge zwischen den Jahreszeiten, so dass trotz der unterschiedlichen ChoreographInnen ein einziges Stück entsteht, mit wunderschönen Kostümen des ehemaligen Tänzers Thomas Lempertz (der, raten Sie mal, auf welcher Schule war?). Und was für eine unglaubliche tänzerische Qualität diese zum Teil sehr, sehr jungen TänzerInnen da auf die Bühne bringen! Herausragend sind vor allem Eun-Sil Kim und Nikita Korneev, die den Winter tanzen. Sie verharren beide noch im eisgrauen Kostüm in ihrer Schlusspose, da läuft ein Mädchen im „Frühling“-Kostüm auf die Bühne, mit einer roten Blume in der Hand – der Kreislauf der Jahreszeiten beginnt von neuem. Ein wunderschönes Schlussbild!

Applaus für alle: Schülerinnen und Schüler der John Cranko Schule, der École de Danse de l'Opéra national de Paris, der Royal Ballet School, London, von Canada's National Ballet School und der ballettschule des Hamburg Ballett John Neumeier mit ihren DirektorInnen nach der Gala, Foto: Stuttgarter Ballett

Großer Applaus für alle: Schülerinnen und Schüler der John Cranko Schule, der École de Danse de l’Opéra National de Paris, der Royal Ballet School London, von Canada’s National Ballet School und der Ballettschule des Hamburg Ballett John Neumeier mit ihren DirektorInnen nach der Gala, Foto: Stuttgarter Ballett

Im zweiten Teil zeigen die Gastschulen aus Paris, London, Toronto und Hamburg, was sie können. Am meisten Applaus bekommen Daina Zolty und Siphe November aus Kanada für „I loves you Porgy“ und Olivia Betteridge und Borja Bermúdez de Castro aus Hamburg für „Molly! Do you love me?“ Das hat so viel Humor, dass ein Kind im Publikum vor dem Schlussapplaus unüberhörbar herauslacht. Die John Cranko Schule darf den Abschluss machen, mit Etüden von Tadeusz und Barbara Matacz. Die Bühne wird zum Wettbewerb der Tänzer, „wer springt am weitesten/höchsten“, und schließlich zum Wimmelbild unzähliger SchülerInnen in sehr unterschiedlichen Körpergrößen. Die legen alle noch einmal ein atemberaubendes Tempo vor. Dann ein bezauberndes Schlussbild, rauschender Applaus für alle Schulen und ihre PädagogInnen. Ein Ballettabend, der unglaublich viel Spaß gemacht hat. Nein, um den Nachwuchs und die Zukunft des Ballets muss man sich nicht nur in Stuttgart wirklich keine Sorgen machen. Draußen hat’s geregnet, aber anscheinend ist fast keiner gegangen.

Morgen ist die große Abschlussgala, 17 Uhr. Finale, und Schluss. Es gibt noch freie Plätze auf der Wiese. Lassen Sie die Glasflaschen zu Hause, bringen Sie stattdessen ein Regencape mit, und ein paar Häppchen mehr für die Nachbarn links und rechts auf der Wiese. Und halten Sie sich schon mal den 8. und 9. Juli 2017 für Ballett im Park frei.