Stuttgarter Ballett Blog


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EMAIL AUS … MAINZ (LOUIS STIENS)

Hallo ihr Lieben,

Louis Stiens schickt Grüße aus Mainz, Foto: privat

Louis Stiens schickt Grüße aus Mainz, Foto: privat

ich melde mich aus Mainz, wo die Ballett Company von Stephen Dellatre meine Choreographie MatchBox zur Erstaufführung außerhalb Stuttgarts bringen wird. Der eine oder andere kann sich vielleicht noch an diese kleine Arbeit mit den Tänzerinnen und Tänzern des Stuttgarter Balletts erinnern, sie wurde zum Porsche Tennis Grand Prix 2015 auf dem Court der Porsche Arena uraufgeführt und kann im Internet begutachtet werden. Damals hatte ich die Idee, zwei Ballerinen auf Spitze tanzend in die Arena zu schicken, umringt von ihren männlichen Kollegen und Teamgenossen. Die Spitzenschuhe waren aufgrund des eher tanz-untauglichen Bodenbelags nach jeder Vorstellung hin, was dieses Mal in Mainz wohl hoffentlich nicht der Fall sein wird. Die Herren tanzen zwar noch in Turnschuhen und die Damen auf Spitze, die Arena und der Trubel bleiben allerdings aus. Vielleicht nicht ganz, denn heute schaue ich mir noch die letzten Proben mit Licht und Kostüm an, bevor ich dann morgen die sechs wirklich hinreißenden Mainzer Tänzerinnen und Tänzer in ihre Kammerspiel-Arena schicke.

Sobald ich zurück bin geht es dann weiter mit Krabat, dem Ballettabend VERFÜHRUNG! und der Arbeit an meiner zweiten Auftragsarbeit für den anstehenden Ballettabend NACHSTÜCKE. Ich hoffe euch geht es gut und ihr kommt alle zur Premiere am 24. März 2017! Lasst uns den Frühling mit offenem Herz begrüßen!

Grüße,

louis  *+*

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CHINA // OKTOBER 2016 (Tag 3)

Der 26. Oktober war ein langer Tag für die Compagnie im Shanghai Grand Theatre. Früh am Morgen waren bereits unsere Techniker vor Ort, die Kollegen aus der Maske und Kostümabteilung haben ihre Kisten entpackt und die Garderoben eingerichtet – und für die Tänzer standen nach dem morgendlichen Training zwei Durchläufe auf dem Probenplan. Unser Intendant Reid Anderson war gestern im Shanghai International Dance Center, wohin die chinesische Tänzerin Yuan Yuan Tan ihn eingeladen hatte und hielt eine Keynote Speech zum Thema „Creativity as the Soul of Ballet“. Hier ein paar Eindrücke vom Tag …


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Kabatek bloggt: „Wer ganz nach oben will, muss Demut lernen“

Ballett im Park bei jedem Wetter - auch bei Regen und Sonne gleichzeitig!, Foto: Elisabeth Kabatek

Ballett im Park bei jedem Wetter – auch bei Regen und Sonne gleichzeitig!, Foto: Elisabeth Kabatek

Nach dem emotionalen Rollercoaster des Abschieds von Sue Jin Kang ist heute ein fröhlicher Abend angesagt. Der Nachwuchs darf bei der Gala der John Cranko Schule zeigen, was er kann, und es ist der erste der beiden Abende von Ballett im Park. Um sieben geht’s los. Kurz nach sechs ballen sich am Himmel graue Wolken und ein heftiger Schauer geht nieder, bei gleichzeitigem Sonnenschein. Die Wiese am Eckensee ist schon gut besetzt. Niemand lässt sich vom Regen in irgendeiner Weise beeindrucken. Das kann doch einen Stuttgarter Ballettfan nicht erschüttern! Überall sind schon Picknickdecken ausgebreitet, Babys krabbeln herum, Statisten in barocken Kostümen verteilen Programme. Die erfahrenen BesucherInnen wissen, dass Glasflaschen aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt sind, und haben sich ihre Getränke in Plastikflaschen umgefüllt, auch die alkoholischen. Zum Beispiel die drei Damen, die bei meiner Suche nach dem leckersten Picknick die absoluten Gewinnerinnen sind. Sie haben einen Drink gemixt, der sich „Kalte Ente“ nennt und aus Prosecco, Wasser und in Weißwein marinierter Zitronenschale besteht. Außerdem haben sie eine Käseauswahl dabei, die einer französischen Käsetheke würdig wäre. „Die leckersten Sachen haben wir leider schon gefuttert“, meinen sie bedauernd. Zum Beispiel die mit Schafskäse gefüllten Auberginen.

Diese Damen erhalten den Preis für das leckerste Picknick!, Foto: Elisabeth Kabatek

Diese Damen erhalten den Preis für das leckerste Picknick!, Foto: Elisabeth Kabatek

Macht nichts, das mit Walnuss und Gorgonzola gefüllte Teilchen, das ich probieren darf, schmeckt köstlich. Zum zweiten Mal haben sich die Freundinnen zu Ballett im Park verabredet. „Letztes Jahr war es soo toll. Aber wir haben gelernt, dass man früher kommen muss, um einen besseren Platz zu ergattern.“ Da könnte ich mich jetzt niederlassen und mitfuttern, so wie Sonia Santiago, die die Moderation auf der Bühne macht, es vorgeschlagen hat. „Schmuggeln Sie sich doch einfach bei jemandem auf die Picknickdecke.“ Sie erinnert außerdem daran, dass Ballett im Park Jubiläum hat: 20 Jahre Intendanz Reid Anderson, 10 Jahre Ballett im Park. Mit Schwanensee hat es 2007 angefangen. Mittlerweile ist Ballett im Park aus dem Stuttgarter Sommer nicht mehr wegzudenken. Unterm Baum sitzt eine Stuttgarterin mit Besuch aus München. An ihrer entspannten Haltung mit Prosecco in der Hand erkennt man den Ballett-im-Park-Vollprofi, der Gast aus München ist zum ersten Mal da und einfach nur neugierig. „Ich war bestimmt schon sechsmal hier“, erzählt sie. „Ich habe einen Enkel, der früher sechs Jahre bei der John Cranko Schule getanzt hat. Da verfolgt man es automatisch weiter.“ Falafelburger und Rote Würste wandern an mir vorbei, und ich wandere ins Opernhaus, um Tadeusz Matazc, den Direktor der John Cranko Schule, vor der Vorstellung zu treffen.

Unsere Blog-Autorin Elisabeth Kabatek mit John Cranko Schul-Direktor Tadeusz Matacz

Unsere Blog-Autorin Elisabeth Kabatek mit John Cranko Schul-Direktor Tadeusz Matacz

Was ist das Geheimnis des Erfolgs der John Cranko Schule, Herr Matacz? !Die Zugehörigkeit zum Stuttgarter Ballett, die engen Verbindungen. An anderen Orten sind die Ballettschulen den Hochschulen angegliedert.! Und wie läuft das mit der Talentsuche – Pablo von Sternenfels beispielsweise ist über den renommierten Wettbewerb Youth American Grand Prix (YAGP) an die John Cranko Schule gekommen und hat beim Stuttgarter Ballett eine fantastische Karriere hingelegt. Ist das der normale Weg? „Michael Jackson und der Hip Hop haben dem Tanz einen wahnsinnigen Schub verpasst. Plötzlich wollte jeder tanzen. Aber nach einer Weile hat man gesehen, dass man einen breit trainierten Nachwuchs braucht. Ohne die Wettbewerbe könnte man das gar nicht filtern. Allein in Japan gibt es 15.000 Privatschulen!“ Den interessantesten Nachwuchs sieht er im Moment übrigens in Lateinamerika, vor allem in Mexiko. „Da gehen viele Talente aus sozialen Projekten hervor.“ Wie zur Bestätigung treffe ich in der Pause zufällig Sara Collier, die im Norden Mexikos eine Ballettschule hat; einer ihrer Schüler hat es ans Hamburger Ballett geschafft. Sieht Matacz sofort, welches Potenzial in einem Tänzer steckt, ob er es ganz an die Spitze schaffen kann? Er nickt. „Ja, das sehe ich sofort, ich mache den Job schon so lange. Aber es ist ja nicht nur das Talent. Die TänzerInnen müssen erst einmal Demut lernen. Sie müssen lernen, einer von vielen zu sein. Nur wer Demut lernt, schafft es ganz nach oben.“ Demut. Wieder so ein altmodisches Wort, wie das Wort Hingabe, mit dem Harold Woetzel, der Regisseur des SWR-Films, die TänzerInnen des Stuttgarter Balletts charakterisiert hat. Demut, Hingabe, Disziplin. Tugenden, die anderswo längst aus der Mode gekommen sind, scheinen im Ballett von fundamentaler Bedeutung zu sein. Träumt denn jede/r davon, einmal ganz vorn zu stehen? Ja, sagt er, niemand gibt sich freiwillig mit der zweiten Reihe zufrieden, und das ist ja eigentlich ganz normal. Wenn es dann nicht so klappt, ist die Realität oft hart.

Natürlich müssen wir auch noch kurz über den Neubau der John Cranko Schule sprechen. „Chapeau, Reid“, sagt Matacz. Jahrelang hat dieser für den Neubau gekämpft und die schlechten Bedingungen in der alten Schule angeprangert, die einer Talentschmiede mit Weltruf einfach nicht angemessen sind. Im Moment tut sich ihr Direktor ein wenig schwer damit, sich das fertige, große Ganze vorzustellen. Er fühlt sich mehr als eine Mischung aus Architekt, Bauingenieur und Handwerker, weil er über Steckdosen, ISDN-Anschlüsse und Raumtemperaturen entscheiden muss. „Es gibt kein Handbuch für Ballettschulen“, meint er. „Das ist die einzige Ballettschule, die in Deutschland neu gebaut wird, wahrscheinlich für die nächsten fünfzig Jahre. Das ist ein epochales Ereignis.“

Der nächste Frühling kommt bestimmt! Eun-Sil Kim und Nikita Korneev in Demis Volpis "Winter" aus Die vier Jahreszeiten, Foto: Stuttgarter Ballett

Der nächste Frühling kommt bestimmt! Eun-Sil Kim und Nikita Korneev in Demis Volpis „Winter“ aus Die vier Jahreszeiten, Foto: Stuttgarter Ballett

Nun aber genug der Theorie, ab in die Vorstellung! Die beginnt mit einer Uraufführung. Ein Projekt von unglaublichem Charme: die John Cranko Schule tanzt die Vier Jahreszeiten von Vivaldi. Jede Jahreszeit wurde von einem ehemaligen Schüler bzw. einer Schülerin der John Cranko Schule choreographiert: Katarzyna Kozielska, Louis Stiens, Fabio Adorisio und Demis Volpi. Besonders schön sind dabei die fließenden Übergänge zwischen den Jahreszeiten, so dass trotz der unterschiedlichen ChoreographInnen ein einziges Stück entsteht, mit wunderschönen Kostümen des ehemaligen Tänzers Thomas Lempertz (der, raten Sie mal, auf welcher Schule war?). Und was für eine unglaubliche tänzerische Qualität diese zum Teil sehr, sehr jungen TänzerInnen da auf die Bühne bringen! Herausragend sind vor allem Eun-Sil Kim und Nikita Korneev, die den Winter tanzen. Sie verharren beide noch im eisgrauen Kostüm in ihrer Schlusspose, da läuft ein Mädchen im „Frühling“-Kostüm auf die Bühne, mit einer roten Blume in der Hand – der Kreislauf der Jahreszeiten beginnt von neuem. Ein wunderschönes Schlussbild!

Applaus für alle: Schülerinnen und Schüler der John Cranko Schule, der École de Danse de l'Opéra national de Paris, der Royal Ballet School, London, von Canada's National Ballet School und der ballettschule des Hamburg Ballett John Neumeier mit ihren DirektorInnen nach der Gala, Foto: Stuttgarter Ballett

Großer Applaus für alle: Schülerinnen und Schüler der John Cranko Schule, der École de Danse de l’Opéra National de Paris, der Royal Ballet School London, von Canada’s National Ballet School und der Ballettschule des Hamburg Ballett John Neumeier mit ihren DirektorInnen nach der Gala, Foto: Stuttgarter Ballett

Im zweiten Teil zeigen die Gastschulen aus Paris, London, Toronto und Hamburg, was sie können. Am meisten Applaus bekommen Daina Zolty und Siphe November aus Kanada für „I loves you Porgy“ und Olivia Betteridge und Borja Bermúdez de Castro aus Hamburg für „Molly! Do you love me?“ Das hat so viel Humor, dass ein Kind im Publikum vor dem Schlussapplaus unüberhörbar herauslacht. Die John Cranko Schule darf den Abschluss machen, mit Etüden von Tadeusz und Barbara Matacz. Die Bühne wird zum Wettbewerb der Tänzer, „wer springt am weitesten/höchsten“, und schließlich zum Wimmelbild unzähliger SchülerInnen in sehr unterschiedlichen Körpergrößen. Die legen alle noch einmal ein atemberaubendes Tempo vor. Dann ein bezauberndes Schlussbild, rauschender Applaus für alle Schulen und ihre PädagogInnen. Ein Ballettabend, der unglaublich viel Spaß gemacht hat. Nein, um den Nachwuchs und die Zukunft des Ballets muss man sich nicht nur in Stuttgart wirklich keine Sorgen machen. Draußen hat’s geregnet, aber anscheinend ist fast keiner gegangen.

Morgen ist die große Abschlussgala, 17 Uhr. Finale, und Schluss. Es gibt noch freie Plätze auf der Wiese. Lassen Sie die Glasflaschen zu Hause, bringen Sie stattdessen ein Regencape mit, und ein paar Häppchen mehr für die Nachbarn links und rechts auf der Wiese. Und halten Sie sich schon mal den 8. und 9. Juli 2017 für Ballett im Park frei.


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EMAIL AUS … STUTTGART (LOUIS STIENS)

Louis Stiens, Foto: Roman Novitzky

Louis Stiens, Foto: Roman Novitzky

Liebes Publikum, liebe Freunde!

Ich melde mich aus meinem Zuhause. Über die letzten Monate hinweg habe ich eine Playlist meiner aktuellen Lieblingssongs und Tracks zusammengestellt.

Am Samstag den 27. Februar ab 20:00 mixe und performe ich die Kompositionen dann live im Projektraum LOTTE (Willy-Brandt-Straße 18, neben der Staatsgalerie). Ursprünglich wollte ich dort mit Freunden eine Party schmeißen – in der Zusammenarbeit mit James Fisher (Text) und Christine Nasz (Raum) entstand dann eine multimediale Inszenierung, die einen häuslichen Kosmos kreiert.

„Early Night“ folgt meinem intimen Verlangen, an einem Samstagabend mit Freunden meine Lieblingstracks zu hören, um mich dann weiter zu amüsieren, zu weinen und/oder nach Hause zu gehen.

Es ist bereits das zweite Mal, dass ich im Projektraum LOTTE ein Projekt verwirkliche (meine Choreographie SLAM für Robert Robinson liegt nun 3 Jahre zurück). Ich freue mich ein weiteres Mal im urbanen Raum eine von Tanz und Choreographie inspirierte Idee verwirklichen zu dürfen. Besuchen Sie uns!

:)

LOUIS STIENS


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EMAIL AUS … INNSBRUCK (LOUIS STIENS)

Louis Stiens, Foto: privat

Louis Stiens, Foto: privat

Liebes Stuttgarter Publikum, liebe Freunde!

Ich melde mich aus dem Landestheater in Innsbruck, wo ich seit einem Monat meine erste längere Arbeit außerhalb Stuttgarts kreiere. Gerade von der Bühne kommend raucht mir immer noch der Kopf von Schritten, Beleuchtung und Bühnenbild doch gleichzeitig sehe ich die Tänzerinnen und Tänzer Kraft strotzend auf unsere Premiere zuschreiten!

Mein Stück trägt den Titel „At Gardens“ und spielt rund um ein Loch in einer dunklen Wand. Eine kleine Anekdote zu dieser Idee ist, dass sie mir vor der Warenausgabe bei Ikea kam und sich dann mit dem Ein- und Ausladen immer tiefer in meinem Kopf einnistete.

Ich freue mich auf meine baldige Rückkehr nach Stuttgart und auf weitere Vorstellungen wie Onegin, Endstation Sehnsucht oder den Strawinsky Abend. Dann wieder als Tänzer auf unserer Stuttgarter Bühne.

Grüße,

Louis