Stuttgarter Ballett Blog

Kabatek bloggt: Superhelden lieben Popcorn. Die Festwoche beginnt!

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Der Initiator des Films Dr. Joachim Lang (SWR), Stellv. Ballettintendant Tamas Detrich, Staatssekretärin Petra Olschowski, Ballettintendant Reid Anderson und Filmregisseur Harold Woetzel

Der Initiator des Films Dr. Joachim Lang (SWR), Stellv. Ballettintendant Tamas Detrich, Staatssekretärin Petra Olschowski, Ballettintendant Reid Anderson und Filmregisseur Harold Woetzel

Na schön. Wir sind nicht Cannes, wir sind nicht Berlin, und George Clooney hat sich auch nicht blicken lassen. Aber Stuttgart kann auch roter Teppich. Und wie! Zum Auftakt der Festwoche zum 20-jährigen Jubiläum von Reid Anderson hat im Metropol Kino Stuttgart der Dokumentarfilm „Von Wundern und Superhelden – 55 Jahre Stuttgarter Ballett“ von SWR-Autor Harold Woetzel Premiere. Okay, der rote Teppich im Metropol ist nicht extra ausgerollt worden, den gab’s schon vor der Filmpremiere, aber schließlich sind wir in Stuttgart auch bescheidener als anderswo und parken den Porsche hinterm Haus. Dieser rote Teppich aber erweist sich als perfekt fürs Fotoshooting. Denn jetzt läuft nahezu die komplette Compagnie des Stuttgarter Balletts darüber und lässt sich in kleinen Grüppchen vom Fotografen ablichten.

Daiana Ruiz, Ayaka Fuiji, Agnes Su, Rocio Aleman, Angelina Zuccarini, Gerogette Tsinguirides, Roger Cuadrado, Alexander Mc Gowan, Anouk van der Weijde, Cedric Rupp, Jessica Fyfe

Daiana Ruiz, Ayaka Fuiji, Agnes Su, Rocio Aleman, Angelina Zuccarini, Gerogette Tsinguirides, Roger Cuadrado, Alexander Mc Gowan, Anouk van der Weijde, Cedric Rupp, Jessica Fyfe

Intendant Reid Anderson staunt, dass seine Tänzerinnen alle wie Models aussehen. Wahrscheinlich sieht er sie auch selten so elegant, so schick und so sexy, und alle mit strahlendem Lächeln. Das „Who is Who“ des Stuttgarter Balletts gibt sich heute die Ehre: Eric Gauthier wirft sich seinem künstlerischen Vater Reid Anderson symbolisch vor die Füße, Tamas Detrich improvisiert gut gelaunt ein paar Tanzschritte, dann wird Jason Reilly von Eric Gauthier umarmt, während Sonia Santiago von Tamas Detrich gebusselt wird und Alicia Amatriain Reid Anderson küsst. Es sind aber nicht nur die Insider da, die, die irgendwas mit dem Ballett zu haben, Familienangehörige wie die Eltern des ehemaligen Tänzers Thomas Lempertz, oder Kollegen wie Opernintendant Jossi Wieler.

Opernintendant Jossi Wieler, Tamas Detrich, Julia von Württemberg, Reid Anderson

Opernintendant Jossi Wieler, Tamas Detrich, Julia von Württemberg, Reid Anderson

Nein, natürlich lässt es sich auch das ganz normale Stuttgarter Ballettpublikum nicht nehmen, die Filmpremiere mitzuerleben. Dieses eigentlich gar nicht normale, einmalige Stuttgarter Publikum, ohne das auch der beste Intendant und die besten Tänzer nicht existieren könnten, und auf das die ganze Ballettwelt außerhalb von Stuttgart neidisch ist. Seit den 60er Jahren hält sie dem Ballett die Treue, erzählt mir eine Besucherin auf der Treppe. „Das Ballett? Es ist eine einmalige Beziehung“, meint sie und strahlt. „Eine Beziehung, die man so nur in Stuttgart erleben kann.“

Staatssekretärin Petra Olschowski begrüßt zur Festwoche

Staatssekretärin Petra Olschowski begrüßt zur Festwoche

Langsam schiebt sich der Strom der Gäste nach oben. Im 1. Stock des Metropol steht Jason Reilly an der Theke an. Sicher für ein Glas Mineralwasser? Er schüttelt den Kopf. „Popcorn und Bier“, sagt er. „Ich esse total gern Junk.“ Und dann grinst er sein wunderbares, breites Jason-Reilly-Grinsen. Wie jetzt – ich dachte, Balletttänzer leben von Wasser, Luft und ein paar Krümeln Brot, damit sie kein Fett ansetzen? Von wegen. Später werde ich in Reihe acht zwischen lauter TänzerInnen sitzen (eine ganze Weile später, ehrlich gesagt, weil ich nicht kapiert habe, dass der Film zwei Kinosäle füllt und ich zunächst im falschen Saal gelandet bin, wo ich mich wundere, dass schon jemand auf meinem Platz sitzt…) Und was machen alle diese schönen, schlanken Menschen um mich herum? Popcorn knuspern, aus ziemlich großen Bechern. Sehr irdisch wirken sie da auf einmal, die Superhelden des Balletts. Man spürt auch, wie gespannt sie sind. Schließlich hat noch niemand, wirklich niemand von ihnen den fertigen Film gesehen. Doch bevor der Film beginnt, gibt es erst noch eine wirklich fabelhafte Rede von Staatssekretärin Petra Olschowski. Eine sehr persönliche Rede, der man anmerkt, dass hier eine Frau spricht, die keine Floskeln benötigt, weil sie weiß, wovon sie spricht.

Und dann gehtʼs endlich los. Wie ein Scheibenwischer, hat Reid Anderson in seiner Begrüßung gesagt: wie es war, und wie es ist. Das „wie es war“, das sind historische Aufnahmen von John Cranko, Marcia Haydée und Birgit Keil, von Reid Anderson und Tamas Detrich. Die legendäre Tournee nach New York, die das „Stuttgarter Ballettwunder“ begründete. Wie sie im Flugzeug sitzen und zittern! Und immer wieder: John Cranko, nie ohne Zigarette in der Hand. John Cranko, wie er probt, Interviews gibt, wie er mit seinen Stars, die seine Familie waren, herumalbert. Sein Charisma ist in jeder Sequenz spürbar. Das „wie es ist“, das sind Proben im Ballettsaal in Stuttgart, Bilder von kreischenden Fans in Tokyo, Alicia und Friedemann in Romeo und Julia. Das gestern und das heute, und irgendwie ist alles eins.

Gleich geht's los .... Vorfreude auf den Film!

Gleich geht’s los …. Vorfreude auf den Film!

Mehr soll hier gar nicht verraten werden, vor allem nicht die teilweise sehr komischen, sehr anrührenden Momente, die im Film reichlich vorhanden sind. „Irgendwie sind Tänzer anders als normale Menschen“, sinniert Georgette Tsinguiridis einmal vor laufender Kamera. „Hingabe“ nennt es Regisseur Harald Woetzel, „auch wenn es altmodisch klingt. Ein Leben nur für den Tanz.“ So, wie es John Cranko vorgelebt hat.

Wie warʼs? „Viel zu schnell vorbei“, und „Sehr gelungen, ich hätte noch stundenlang zuschauen können“, kommentieren die beiden Damen im besten Alter, die mit mir aus dem Kinosaal marschieren. Was für ein fulminanter Auftakt, was für ein Abend, was für ein Film! Für den lohnt es sich, ein bisschen länger aufzubleiben. Am nächsten Mittwoch, 20. Juli, wird die Dokumentation um 23.40 Uhr im SWR-Fernsehen gezeigt. Unbedingt anschauen!

P.S. Für Nichtschwaben zum Abschluss noch ein kleiner Schwäbisch-Kurs: Ein „Deppich“ ist kein Teppich. Schon gar kein roter zum Drüberlaufen. Ein Deppich ist eine Wolldecke.

Elisabeth Kabatek

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