Stuttgarter Ballett Blog

CHINA // NOVEMBER 2012

Hinterlasse einen Kommentar

Am 30. Oktober 2012 beginnt das Stuttgarter Ballett seine Gastspielreise nach China. Auf dem Programm stehen Vorstellungen in Shanghai (Beim Shanghai International Arts Festival) und Peking (im National Centre for the Performing Arts)!
Von Beginn dieser Reise bis zur Rückkehr nach Stuttgart am 11. November 2012 finden Sie hier Texte, Fotos und Eindrücke von Tänzern und weiteren Compagniemitglieder – so dass Sie virtuell ein Stückchen mitreisen können. Wir freuen uns auf nette Begleitung!

 

 

 

31.10.2012
Am Mittwochmorgen sind wir alle heil, wenn auch ziemlich müde in Shangai gelandet. Wir werden sehr liebenswürdig empfangen – schon im Flugzeug freute man sich über Lautsprecher, dass das Stuttgarter Ballett an Bord sei! Hier in Shanghai ist es sonnig und warm, und wir machen uns auf zu einem ersten kurzen Erkundungsgang, bevor es heute Nachmittag zum ersten Mal in die Ballettsäle im Shanghai Grand Theatre geht. Das imposante Theater kann man vom Hotel aus schon sehen! Der lange Flug und die Zeitverschiebung stecken uns allen ein wenig in den Knochen, und so freuen sich alle Tänzer auf ein erstes Training, um sich wieder zu strecken und für die ereignisreichen Tage hier in China fit zu machen. Wir melden uns später wieder mit ersten Eindrücken und Fotos. Schön, dass Sie dabei sind!

 

Fototagebuch Teil 01: Reise nach Shanghai (Fotos: Roman Novitzky)

1.11.2012
An Tag 1 unseres Aufenthaltes in Shanghai startet die Compagnie mit der Probenarbeit im Shanghai Grand Theatre, alle Kulissen und Kostüme werden eingeräumt, auf der Bühne beginnt die technische Einrichtung, die chinesischen Statisten proben und bekommen ihre Kostüme, und am Abend geht es dann zur Pressekonferenz im nahe gelegenen Porsche Center. Also ein ereignisreicher Tag, zum Glück ausgeschlafener als gestern und – soweit der allgegenwärtige Smog es erlaubt – sonnig. Wir freuen uns sehr auf diese Woche in beautiful Shanghai!
Roman Novitzky begleitet die Tour mit seiner Kamera, morgen gibt es also wieder mehr zu sehen. Hier ein paar erste Eindrücke von der Reise:

 

Fototagebuch Teil 02: Probenbeginn im Shanghai Grand Theatre

2.11.2012

Roman Novitzky, Foto: Sébastien Galtier

Roman Novitzky, Foto: Sébastien Galtier

Hallo und Nihao!
Viele Grüße an Euch alle von unserer China-Tour. Als Halbsolist ist dies meine dritte Reise nach China, in 2009 war ich (damals in meiner ersten Spielzeit beim Stuttgarter Ballett) schon einmal in Peking und 2011 dann in Macao. In Shanghai bin ich aber nun zum ersten Mal, und finde es wirklich schön – eine offene, sehr moderne Stadt, von der es viele verschiedene Seiten zu entdecken gibt. Ich sehe die Stationen unserer Reise hauptsächlich durch die Linse meiner Fotokamera, und stelle jeden Tag Bilder ins Tourtagebuch, damit Sie auch einen Eindruck haben. Die meiste Zeit bin ich aber mit Proben und der Vorbereitung unserer Auftritte beschäftigt, Die Kameliendame hält uns alle sehr in Atem. Ich habe viel zu tanzen, innerhalb einer Vorstellung muss ich vier Mal das Kostüm wechseln! Die Proben laufen gut und wir freuen uns auf die Auftritte, ich hoffe, das Publikum hier hat auch seine Freude an uns.
Viele Grüße!
Roman

 

 

Fototagebuch Teil 03: Vor der ersten Vorstellung

3.11.2012

Vor den Vorstellungen beim Shanghai International Arts Festival wurde die Company im Porsche Center Shanghai der Presse vorgestellt. „Vor vielen Jahren waren wir die erste westliche Ballettcompagnie überhaupt, die hier auftrat“, erinnert sich Tamas Detrich. „Von heute aus gesehen haben wir damals den Anfang dessen miterlebt, was heute Normalität für uns ist – eine künstlerische Freundschaft zwischen den Nationen.“
Für die beiden Vorstellungen in Shanghai kündigte er an: „Sie werden hier zwei Besetzungen erleben, und das bedeutet, dass keine Vorstellung wie die andere ist, sondern dass sehr besondere Künstler all ihr Können und all ihr Fühlen auf die Bühne bringen. Es ist einfach unbeschreiblich, was Sue Jin und Marijn tun, und das gleiche gilt für Alicia und Jason. Dieses Ballett „Die Kameliendame“ hat seinen Ursprung im Herzen, und es wird hoffentlich auch dem Publikum hier direkt zu Herzen gehen.“

 

Fototagebuch Teil 04: Premiere in Shanghai

4.11.2012

Jörg Müller mit Matteo Crockard-Villa

Jörg Müller mit Matteo Crockard-Villa

E-Mail aus … der Tour-Maske (Jörg Müller)
Schöne Grüße von uns allen aus dem Stockwerk B1 im Shanghai Grand Theatre! Hier haben wir die Damen- und Herrenmaske für die Vorstellungen in Shanghai schon richtig häuslich eingerichtet, und dank einiger Tour-Routine haben wir das richtige Equipment dabei und können gut arbeiten. Es ist sehr viel zu tun, denn an nur wenigen Tagen finden viele Proben, Auftritte und dann auch schon die Weiterreise nach Peking statt. Aber wir hatten Gelegenheit, zwischen den Proben einmal auf den riesig hohen Hyatt-Turm zu fahren, so haben wir – zumindest von oben – einmal ganz Shanghai sehen können.

Wie immer auf Tournee erleben wir eine Menge Überraschungen und müssen manchmal improvisieren. Zuallererst mussten wir mal eine Reihe von extra Stühlen fnden, die wir aufeinander stapeln können, damit die Tänzer hoch genug sitzen und wir gerade stehen können – wir sind alle so viel größer als die Menschen in China! Wir sind zu sechst aus Stuttgart angereist, unterstützt werden wir von sieben chinesischen Aushilfen. Den chinesischen Kollegen galt es erst einmal die komplizierten russischen Ballettfrisuren der Damen beizubringen, das ist hier am Theater natürlich etwas ganz Neues. Phänomenal ist, wie diese sieben alles, aber einfach alles mit nur einer Hand machen können: Föhnen, frisieren, schminken – denn in der anderen Hand ist ganz sicher zu jedem Moment… das Handy!

Fototagebuch Teil 05: Zweite Vorstellung im Shanghai Grand Theatre

5.11.2012

Richard Gilmore mit David Moore

Richard Gilmore mit David Moore

E-Mail aus … dem Physio-Raum (Richard Gilmore)
Für mich und meinen Kollegen Gretus Mossig in der Physio-Therapie bedeutet Tournee mit dem Stuttgarter Ballett immer eine besondere Herausforderung. Einige Wochen lang sind wir jeden Tag verantwortlich für das Wohlergehen von Künstler und Mitarbeitern, die unter ungewohnten Bedingungen Höchstleistungen bringen müssen. Weil, anders als zu Hause, keine anderen Ärzte oder andere Therapeuten in der Nähe sind, sind wir unterwegs die ersten Ansprechpartner für alle möglichen Beschwerden, von Tänzerbeinen über Statistenschnupfen bis hin zum gebrochenen Pianistenfingernagel. Ich versuche immer, auf alles vorbereitet zu sein. Zwei große Koffer mit Medikamenten und Ausrüstung bringe ich mit, auch zwei Massageliegen sind Teil des Tour-Equipments. Leider sind die kleineren, transportablen Liegen aber nicht höhenverstellbar – manchmal stehe ich so lange darüber gebeugt, dass ich mir abends selber eine Massage wünschen würde…
Die langen Wege in den oft riesigen Theatern sind ungewohntfür uns. Wir haben lange Strecken zwischen unseren Arbeitsplätzen (denBallettstudios, der Hinterbühne und dem kleinen Physio-Raum, den wir bezogenhaben) zu laufen und führen deshalb viele Behandlungen gleich auf derSeitenbühne oder im Ballettsaal durch statt an der Massagebank. Den größten Unterschied macht es aus Physio-Therapeuten-Sicht, dass die Böden sowohl im Ballettstudio als auch auf der Bühne sehr viel härter sind, als wir es von unseren Schwingböden kennen, und „Spurrillen“ gibt es auch. Das Tanzen auf hartem Boden strapaziert die Muskeln ganz enorm, die Unebenheiten gefährden die Sprunggelenke. Ich verbringe hier deshalb eine Menge Zeit auf dem Boden sitzend, um schmerzende Tänzer-Waden zu kneten und Schultern zu lockern!
Wir haben also ordentlich zu tun, aber ich liebe diese Reisen sehr! Man erlebt so viel, und es ist auch schön, mit den Kollegen so viel Zeit am Stück zu verbringen. Ich war zum ersten Mal in den 80er Jahren in Shanghai, und als wir 2002 wieder kamen, musste ich richtig lange suchen, bis ich bekannte Gebäude wieder fand. Dieses Mal sieht alles schon wieder ganz anders aus – die Veränderung ist jedes Mal unglaublich! Nun geht es weiter nach Peking, und ich bin gespannt, was es dort Neues zu entdecken gibt.

 

Das National Centre for the Performing Arts in Peking

Das National Centre for the Performing Arts in Peking

6.11.2012

Zwei Busfahrten und zwei Flugstunden haben die Compagnie von Shanghai nach Peking gebracht, wo es bis kurz vor unserer Ankunft noch geschneit hatte! Das heißt für alle: Erstmal warm einpacken, und dann die neue Umgebung erkunden. Die Innenstadt ist überall prächtig geschmückt und man sieht viel Militär und Polizei wegen des Parteitages der Kommunistischen Partei. Vor allem in dem herrlichen Theater, dem riesigen National Center for the Performing Arts, muss man sich erst einmal zurecht finden…
Tamas Detrich und die sechs ersten Solisten, die in den drei Vorstellungen der „Kameliendame“ in Peking die Hauptrollen tanzen werden, stellen sich am Abend der Presse vor. Nun beginnen hier im neuen Theater die technische Einrichtung und die Probenarbeit. Wir alle freuen uns alle auf ereignisreiche Tage!

 

Fototagebuch Teil 06: Weiterreise nach Peking

8.11.2012

Die Kostümabteilung nach getaner Arbeit

Die Kostümabteilung nach getaner Arbeit

E-Mail aus… der Tour-Garderobe (Susanne Klein)
Für uns Kollegen der Kostümabteilung ist „Die Kameliendame“ ein echter Härtetest. Kaum ein Ballett in unserem Repertoire hat so viele und so aufwändige Kostüme, so viele schnelle Umzüge, ein so großes Corps de ballet. Eine solche Produktion in einem fremden Theater auf die Bühne zu bringen, bedeutet eine Menge Transportkisten, großen Aufwand, viele Handgriffe… und jedes Mal ein tolles Erfolgserlebnis, wenn alles gut geklappt hat!
Um die einhundert Kostüme sind im Rahmen einer Vorstellung der Kameliendame auf der Bühne zu sehen, dabei auch viele Handschuhe, Schmuck, Kopfputz, Masken usw.. Allein die weibliche Hauptrolle Marguerite Gautier trägt pro Abend 12 verschiedene Kostüme, die zum Teil innerhalb von unter als einer Minute gewechselt werden. Da muss dann wirklich jeder Handgriff sitzen!

Auf der riesigen Hinterbühne hat uns der Bühnenoberinspektor große schwarze Partyzelte für die schnellen Umzüge aufstellen lassen, weil die Zeit oft überhaupt nicht für die langen Wege zu den Tänzergarderoben reichen würde. In der Company kursieren schon Witze über unsere „kleine Partylandschaft“ backstage… Nach den Vorstellungen gilt es dann immer, alle Kostüme schnellstens wieder aufzubereiten – zu waschen, zu trocknen, wenn nötig zu reparieren, zu bügeln – und zwischen den Tourstationen muss alles ganz exakt verpackt werden, damit man am nächsten Ort schnell alles wiederfindet, was gebraucht wird.
Wir sind mit 10 Kollegen der Damen- und Herrengarderobe aus Stuttgart hier angereist und haben vor Ort immer Unterstützung von mehreren chinesischen Helfern. Sich ganz ohne Sprache, nur mit Händen und Füßen darüber zu verständigen, was genau zu tun ist, ist so eine Art Scharade-Spiel für Fortgeschrittene. Die Kollegen auf Reisen sind oft sehr beeindruckt von der Qualität und dem Detailreichtum der Kostüme, die Jürgen Rose designed und die Werkstätten in Stuttgart hergestellt haben – besonders in China ist das ein schönes Kompliment für uns, wo es doch hier so viele tolle Materialien und gute Schneider gibt!

Für Sightseeing bleibt bei unserem Programm natürlich nicht viel Zeit, aber für einen Spaziergang zum Bund in Shanghai und zum Seidemarkt in Peking hat es gereicht, und diese riesigen Städte am Abend glitzern zu sehen, ist einfach faszinierend! Eine der größten architektonischen Sehenswürdigkeiten, das National Center for the Performing Arts, lernen wir nun auch von innen kennen.

Fototagebuch Teil 07: Premiere im National Center for the Performing Arts


10.11.2012

E-Mail von… der Bühne (Axel Schob)

Die versammelte Mannschaft im Foyer des NCPA

Die versammelte Mannschaft im Foyer des NCPA

Ich reise seit 1992 mit dem Stuttgarter Ballett um die ganze Welt, und noch immer ist jede Tour ein ganz eigenes Abenteuer! Als Bühnenoberinspektor bin ich zusammen mit meinen Kollegen dafür zuständig, dass alle Teile der Kulisse, Requisite und Bühnentechnik pünktlich vor Ort sind, dass sie nachher heil wieder in Stuttgart ankommen, und dafür, dass vor Ort alles richtig aufgebaut wird und funktioniert. Von Stück zu Stück sind die Anforderungen natürlich unterschiedlich – die „Kameliendame“ zeichnet sich für uns vor allem durch die vielen zu transportierenden Kostüme, die empfindlichen Kulissen und Requisiten und die sehr differenzierte Beleuchtung aus.
Gerade für die abendfüllenden Handlungsballette braucht man eine große Ausrüstung, die wir meistens mit dem Schiff transportieren. Die Hin- und Rückreise der Ausstattung von Stuttgart nach Asien dauert pro Weg etwa 6 Wochen. Das bedeutet, dass schon lange vor der Abreise der Compagnie alles gepackt und in Schiffscontainer verladen werden muss – da viele unserer Kulissenteile und Transportkisten Sonderanfertigungen sind, die keine Normgrößen haben, funktioniert das Packen ein bisschen wie eine sehr große Version eines Tetris-Spiels: Wir versuchen, alles so genau einzupassen, dass möglichst wenig Container gebraucht werden, und dass darin auch alles fest steht oder liegt. Ein sehr großer Teil meiner Arbeit ist auch die Verzollung des gesamten Transportes – ich bin froh, dass in der „Kameliendame“ nicht geschossen oder mit dem Degen gekämpft wird – anders als bei John Crankos „Onegin“ oder bei „Romeo und Julia“ zum Beispiel – denn wenn Waffen transportiert werden müssen, dann bedeutet das für uns ein riesiges Brimborium am Zoll!

Dieses Mal sind wir mit neun Kollegen aus Stuttgart für Bühnentechnik und Requisite und noch vier Kollegen von der Beleuchtung angereist. Wenn alles und alle vor Ort sind, beginnt für uns ein zweiter großer Abschnitt der Tourarbeit: Die Einrichtung der Bühne. Die Zeiten und Abläufe für die technische Einrichtung, für die Aufbauten der Kulissen und auf der Hinterbühne, und auch für die Einrichtung aller Scheinwerfer versuchen wir schon im Vorfeld minutiös zu planen, denn die muss natürlich mit den Probenzeiten für die Tänzer auf der Bühne und mit den Vorstellungszeiten abgestimmt werden. Von unserer Arbeit hängt es letztlich ab, ob der Vorhang pünktlich hochgehen kann! Und wenn alle anderen Feierabend haben, dann bauen wir die Bühne wieder für die nächste Vorstellung um, oder packen nach der letzten Vorstellung jeden Kronleuchter, jede Kostümkiste, jedes Garderobenzelt wieder ein für die Heimreise nach Stuttgart. Wie heute zum Beispiel.

Fototagebuch Teil 08: Letzte Vorstellung in Peking und Heimreise


11.11.2012

Heimreise

_dsc2420Nach einer gefeierten letzten Vorstellung der „Kameliendame“, mit Alicia Amatriain und Jason Reilly in den Hauptrollen, im National Center for the Performing Arts macht sich die Company wieder auf den Heimweg nach Stuttgart. Die Kulissen und Kostüme sind sicher verpackt, sie reisen mit dem Schiff hinterher.
Schnell ging diese Tour vorbei, kaum zu glauben, was in nur knapp zwei Wochen alles auf die Beine gestellt wurde… Gerade haben sich alle an die Zeitumstellung gewöhnt, sich im Theater zurecht gefunden und gelernt, wo man in den Straßen von Peking nach getaner Arbeit am späten Abend noch eine warme Mahlzeit her bekommt, da geht es schon wieder heim. Wir freuen uns aber auf zu Hause, und vor allem auf ein Wiedersehen mit dem Stuttgarter Publikum im heimatlichen Opernhaus, dann mit „Onegin“.

Vielen Dank an alle, die uns virtuell auf unserer Reise begleitet haben, und bis bald!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s